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BildKolumne

Lecker, lecker Gewinnspiel! Keeeekse und Kuchen rufen….

Redaktion, 30.09.2019

Tja, was soll ich sagen? Es klingt wie eine Modemarke für Sport oder sowas. Aber wenn man erstmal davorsteht, läuft etwas ganz anderes…. Das Wasser im Munde!!! 

Bei Keex & so gibt es nämlich Kekse…. und so. Und das ziemlich originell. Jetzt fragst du dich, wo gibt’s die? Doch dazu gleich. Jeden Freitag auf dem Isemarkt steht Kerstin Pinkepank mit ihrem kleinen Stand, gefüllt mit den leckeren Köstlichkeiten und anderen schönen Dingen, die alle in irgendeiner Art und Weise an Hamburg erinnern. Alles ist persönlich von Kerstin kreiert und liebevoll ausgestellt.

Und 10 dieser Hamburger Leckereien kannst du übrigens gewinnen.

Eigentlich arbeitet sie ja im familieneigenen Grafikbüro. Und freitags geht’s dann gemütlich auf den Isemarkt in Hamburg. Das bietet sich an, da sie mit ihrem Mann nicht nur das Büro dort leitet, sondern auch in der Nähe wohnt.  Doch sie wollte mehr…. mehr Leckeres. Und das nicht nur für sich selbst. Nein, sie möchte auch andere dafür begeistern. Kerstin träumte. Von einem eigenen kleinen Stand auf dem Markt. Mit eigenen, entworfenen Sachen.

Sie überlegte und überlegte und entwarf neben dem Beruf ihre Produkte. Dafür ließ sie es sich nicht nehmen, die Familienrezepte in Form der kleinen Gugelhüpfer am Spieß oder von Fisch-Keeksen, in die Öffentlichkeit zu bringen. Gebäck, kleine Kuchen, Leckereien und einfach Dinge, die jeder – auch du -  schön findet und ja auch immer gebrauchen kann.

Ich bin mir sicher, dass auch deine Familie am Starnberger See, im kohledurchtränktem Ruhrgebiet oder im wunderschönen dunklem Thüringer Wald sich sehr über ein Carepaket aus Hamburg freut! Oder du machst beim Gewinnspiel mit.

Zum Gewinnspiel geht es hier entlang https://www.instagram.com/kolumnehamburg/  Oder hier  https://www.facebook.com/KolumneHamburg

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Überraschender Sci-Fi Thriller mit Hilary Swank

Jenny Hanf, 22.08.2019

Die Menschheit ist ausgestorben, die Erde unbewohnbar. Einzige Überlebende: Ein kleines Mädchen. Sie wird liebevoll in einem Bunker aufgezogen. Von einem Roboter. Liebevoll? 

Ein Bunker ist das Zuhause von der „Tochter“, gespielt von der jungen Clara Rugaard. Die „Mutter“, ein Android, zieht scheinbar menschlich das einzige Lebewesen groß – ein ausgewählter Embryo aus einem riesigen Inkubator. Die „Tochter“ genießt eine strenge Ausbildung in einer einsamen Welt. Die Menschheit ist ausgestorben, die Erde unbewohnbar.

Bis zu dem Tag als die „Besucherin“, gespielt von Hilary Swank, verzweifelt und blutüberströmt an die Außentore des Bunkers hämmert. Ist das Leben der „Tochter“ eine Lüge?

Die visuellen Effekte sind überwältigend, so manche Szene ist eine düstere und skurrile Zukunftsversion unserer Erde. Schön und gleichzeitig beängstigend wurde die Welt ausserhalb vom Bunker vom Produktionsdesigner Hugh Bateup wirkungsvoll kreiert. Science Fiction Fans werden sich an „Starship Troopers“, „Krieg der Welten“ und an „Moon, die dunkle Seite“ erinnern, somit ein Muss für Anhänger dieser Filmsparte. Die phantastische Hilary Swank verleiht dem Film das Menschliche, das Verletzliche auf einem kalten, bildgewaltigen Schauplatz.

Hier endet die gute Kritik.

So gut die visuellen und akustischen Effekte sind, so wunderbar Hilary Swank ihre Rolle spielt, so mager ist die Umsetzung der Geschichte. Die Hauptdarstellerin Clara Rugaard ist sympathisch, aber es fehlt etwas an Substanz und Tiefe, denn immerhin ist es als Kind fast unmöglich ohne menschliche Nähe zu überleben – da kommt das schauspielerische Talent von Clara wenig zur Geltung. Das sehr Unrealistische mag Absicht sein, aber später wenn die „Mutter“ sich auf einen Barhocker setzt, wird man als Zuschauer stutzig. Warum setzt sich ein Roboter hin wie ein Mensch es tun würde? Ist es überhaupt ein Roboter? Der Film wirft immer wieder Fragen auf, unser Verstand verlangt nach Erklärungen.

Wer Insider, Fan oder Anhänger dieser Roboter – Androiden – Weltuntergangsvisionen – Independent Filme ist, hat wahrscheinlich weniger Fragen, dafür mehr Freude an diesem Film. Der Sci-Fi Thriller hat eine gute Idee als Basis, Hilary Swank hätte besser „Tochter“ spielen sollen, die inhaltliche Umsetzung etwas langweilig und stellenweise unlogisch, dafür ist die technische Umsetzung bombastisch und sehenswert.

Der amerikanisch – australische Science Fiction Thriller wurde Januar 2019 beim Sundance Filmfestival in Salt Lake City vorgestellt. Das Drehbuch ist von dem Regisseur Michael Lloyd Green. Robert Redford hat vor über 40 jähren das Sundance Festival ins Lebens gerufen um Drehbuchautoren und Regisseure zu fördern, unabhängig von der großen Filmindustrie.

 

Opium Magazin, Foto: Henke Relations GmbH

Opium in den Hamptons von Deutschland

Jenny Hanf, 08.08.2019

Nicht drängeln! Wer Opium will, muss sich artig an der Kasse anstellen. Um einen Hauch von Glamour, Lässigkeit und Blitzlicht zu erhaschen.

Ja, Opium, richtig gelesen. Die Hamburger haben mehr als „Moin Moin“, “Butter bei die Fische“, Schiffe im Hafen und Kiez.

Das kultige Hochglanzmagazin „Opium“ ist ein Coup von der PR Agentur Henke Relations GmbH. Panikrocker Udo Lindenberg ziert imposant das diesjährige Cover der Printausgabe. Der berühmteste Gast des Hotel Atlantic steht im Interview Rede und Antwort – amüsant, schräg und absolut lesenswert.

Die Themen des Magazins sind so vielfaltig wie unsere Hansestadt Hamburg selbst. Sports & Healthy, Society, Business & Money, Art & Design, Living  und natürlich Events. Erstklassige Veranstaltungen sind das Steckenpferd von Gunnar Henke und seiner Hamburger Agentur Henke Relations. Die Gala Premiere von Zirkus Roncallli, Media Entertainment Night, Media Summer Lounge, Black Stallion Dinner, Hamburger Immobiliennacht – nur um einige zu nennen. „Henke Relations moderiert die Botschaft zwischen Kunden und Öffentlichkeit mit einem breiten, anspruchsvollen und modernen Spektrum”, beschreibt der Geschäftsführer sein Metier.

Dadurch weht ein Hauch von Glamour in unserer schönen Hansestadt. Glitzer und Blitzlichtgewitter. Geladenen Gäste können sich auf das V.I.P. Event „Porsche Summer Lounge“ am 10. August in Scharbeutz an der Ostsee freuen. Der PR – Unternehmer organisiert mit seinem Team auch diesen Tag für die V.I.P.’s, standesgemäß gefeiert wird im Szenelokal Hamptons. So is’ es… die erste verdiente Million ist eben die Schwierigste.

Und bis dahin kann man „Opium“ in die Hand nehmen, schwelgen und träumen.
Von einem neuen Sportwagen vielleicht? Oder von lauen Sommernächten am Strand, tanzend zu weichen Beats mit einem prickelnden Getränk in der Hand. Auch diese Abende sind es, an die man sich irgendwann zurückerinnert. Abende, die süchtig machen.

Ausstellung Bee Chapel in der Hafencity

Summendes Kunst-Event im Herzen der Hafencity

Astrid Multicultipress, 08.08.2019

Lebewesen als Installation – ist das wirklich möglich? Entscheiden Sie selbst und betrachten Sie das lebende Kunst-Objekt. 

Ein Blumen-und Kräutergarten, der bei diesen heißen Temperaturen zur Ruhe und Entschleunigung einlädt. Eine ungewöhnliche Skulptur namens Bee Chapel, die dem Besucher die Möglichkeit bietet, ein ganzes Bienenvolk hautnah zu erleben. Durch ein Netz getrennt können die Insekten für den Betrachter nicht gefährlich werden. Wann bietet sich schon einmal die Gelegenheit,  das summende Volk in Ruhe bei der Arbeit zu betrachten, ohne dass es weh tut? Ihren Geräusche zu lauschen, ihren Honig zu riechen, ihre Bewegungen zu beobachten. Möglicherweise hat diese Begegnung sogar etwas Meditatives.

IMAGE THE CITY. Ein Projekt beschreitet neue Wege.

Wer ist dieser Mensch, der sich so virtuos-verrückte Kunstobjekte ausdenkt? Sein Name ist Terrence Koh. Der chinesisch-kanadische Künstler beschäftigt sich schon länger mit Nachhaltigkeit, Natur und Urban Gardening. Sein Ziel: gesellschaftliche Veränderungen bei seinen Mitmenschen bewirken. So auch in seinem neusten Projekt, in dem er sich neben Blütenstaub und Bienenzucht auch mit alternativen Lebenskonzepten kognitiv auseinandersetzt.

Die Installation Bee Chapel realisierte der 42-jährige erstmalig 2015 auf seinem Anwesen im Norden von New York. Nun ist Koh erstmals auch damit in Europa  zu sehen. Der Künstler war zur Eröffnung in Hamburg persönlich vor Ort. Üblicherweise nächtigt er in einem umgebauten Bootshäuschen, das dem Künstler als Rückzugsort dient. Eine 5.70 Meter lange Jolle, Pirat genannt, die Platz zum schlafen, kochen und für die Bewirtung von Gästen bietet. Tee gibt es gratis, vom Meister persönlich zubereitet.

Warum ausgerechnet Bienen?
Wir verzeichnen eine Unterdeckung in der Bestäubung von bis zu 75 Prozent (Quelle: EU Kommission). Die Ernten weltweit sinken in den letzten zehn Jahren drastisch. In China bestäuben Bauern mittlerweile per Hand ihre Pflanzen. Die Probleme sind dramatisch. Umso wichtiger, hinzuschauen und sich mit dem Thema zu beschäftigen. Das können Hamburger und unsere Gäste noch bis zum 31. August.

Ausstellung
Störtebeker Ufer, Hafen City, 20457 Hamburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr

Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg, Foto: Karl-May-Festspiele

Raus aus der Provinz, rauf auf’s Pferd

Astrid Multicultipress, 24.07.2019

“Es geht darum, dem Alltag zu entfliehen, mal richtig abschalten, in eine andere Welt zu tauchen, abgeschottet von der Außenwelt auf einem sehr intensiven Level”, so die kochende, marzipantortenkreierende Indianerin Mona Stange. 

Mona Stange bekommt ihr Leben auf vielen Ebenen gebacken. Nicht nur, dass die hübsche Hobbybäckerin unwiderstehliche Marzipantorten kreieren kann. Auch in ihrem zweiten Hobby, dem Reiten, erlebt die 24 Jährige mit den strahlend blauen Augen Einzigartiges: Sie ist eine der zwölf Reiterstatisten bei den  Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Schon zum vierten Mal jagt Mona Stange als Indianerin durch die Arena.

Hinter dem Indian Village, der nachgebauten Wildwest-Kulisse, liegen die Pferdeställe. Dort herrscht unter vornehmlich jungen Leuten ein reges Treiben. Um 12 Uhr treffen sich die Darsteller zu den Vorbereitungen der Vorstellungen, die jeweils um 15 und 20 Uhr stattfinden. Im Stall wird geputzt, gestriegelt, gesattelt, gezäumt. Rund 40 Pferde müssen für das große Event fertiggemacht werden. Ein Tier wird in die Waschbox geführt und einshamponiert. Einige andere Vierbeiner stehen bereits draußen am Halfter angebunden.

Im Alltag ist Mona Stange Lehramtsstudentin (Biologie und Englisch Gymnasialstufe) in Kiel. Zuhause ist sie in der Nähe von Bad Oldesloe, wo sie auch eine Reitbeteilung hat. Raus aus der Provinz. Das ist Multitalent Mona Stange gelungen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jan ist sie rezent nach Hamburg gezogen. Genauer gesagt nach Hamburg Hamm, wo sie das Glück hatte, eine  50 Quadratmeter große Genossenschaftswohnung zu bekommen.

“Bei Ikea Moorfleet waren wir eine zeitlang Stammkunden, wir haben unser Nest zusammen eingerichtet”, strahlt die junge Studentin. Und tatsächlich vermittelt die gepflegte, geschmackvoll eingerichtete Wohnung viel Ambiente  und Liebe zum Detail. Harmonisch angeordnete Fotografien und Bilder  zeugen von einem bunten, ausgeglichen Leben mit einem intaktem, fröhlichen Familien-Background. Ein auf Leinwand kaschiertes Bild sticht besonders ins Auge. Es zeigt Mona im Januar 2017 in Rastede, ein kleiner Ort in der Nähe von Bremen. Dort findet alljährlich das M.P.S. Phantasiespektakulum statt. Ein Mittelalterfestival, wo sich Ritter und Fabelwesen an der Taverne (Schenke) zu ausgeklügelten Rollenspielen treffen. Das Foto zeigt Mona im grünen Elfenkostüm. Mit niedlich abstehenden Ohren lacht die joviale Jugendliche sprichwörtlich von einem Ohr zum anderen. Daneben ihr Freund Jan, der aussieht, als wäre er eine fleischgewordene Computerspielfigur. “Jan macht beim sogenannten Costplay mit. Ein Spiel, bei dem sich die Teilnehmer wie Comicfiguren verkleiden”, erklärt mir Mona, während sie sich mit hochgezogenen Knien und heiß-dampfenden Kaffee auf dem Sofa flegelt. Ja natürlich, die Herstellung der Kostüme sei eine aufwändige Sache. Denn alles muss selbst produziert werden, von dem Gewand bis zur Rüstung.

Nicht umsonst hat Mona schon den ein oder anderen Gewandungswettbewerb gewonnen, eine große Anerkennung und Ehre unten den Mitstreitern  dieser nerdigen Szene. Fragt man die junge Dame, wie und in welchem Zeitraum man so etwas hinbekommt, muss Oma herhalten. “Meine arme Omi”, jammert Mona rückblickend und verdreht theatralisch die Augen, “Rund um die Uhr musste die alte Dame ran, wir haben zusammen drei Wochen ohne Unterbrechung am Stück genäht, gebastelt, geschwitzt, jeden Tag”. Als Nähanleitung diente nur ein fertiges, mittelalterliches Schnittmuster, dass Oma und Enkelin kreativ abwandelten.

Szenenwechsel: zurück zu Monas aufregender Karl-May-Rolle. Wie ist sie dazu gekommen? “Eher zufällig”, gibt die junge Reiterin breitwillig Auskunft. “Meine Schwester hat mich auf eine Zeitungsannonce aufmerksam gemacht, dass Reiterstatisten  gesucht werden”. Erinnerungen über Winnetou und seine Schwester Nacho-tschi werden wach. “Mein Vater ist bis heute Karl-May Fan”, erklärt Mona. Bei der Generalprobe sitzt er in der ersten  Reihe und feuere sie “super aufgeregt” an. Ebenso begeistert ist ihre zweijährige Nichte, die auch schon vom “Pferdevirus” infiziert sei.

Wenig später schlendert Mona Stange zu den Boxen. Die Pferde buhlen mit gespitzten Ohren um ein Leckerli. Alle, nur eines nicht. “Der Fuchs” oder “Brauni”, wie der hellbraunen Wallach genannt wird, legt seine Ohren flach zurück. Ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass ein Zweibeiner seine Komfortzone stört. “Der ist heut schlecht gelaunt”, streichelt Mona seine Nüstern und lächelt nachgiebig. “Der Fuchs” ist nur bei einem lammfromm- und das ist Rainer Steve,  der seit 30 Jahren einen eigenen Hof besitzt und der den Wallach als eines seiner Kutschpferde fest im Griff hat. Neben den Kutschpferden  gibt es noch die sechs Stuntpferde, die von einem separaten Team betreut werden.

Stolz präsentiert Mona Stange ihre “Kara”, ein braun-weiß geschecktes Indianerpony, wie aus dem Bilderbuch. Das freundliche, verschmuste Tier ist die einzige Stute unter den 50 tierischen Statisten. Nur eine Sache mag sie überhaupt nicht leiden: wenn jemand zu nahe an ihr Hinterteil kommt.

“Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen”, schwärmt Mona Stange über ihre Premiere bei den Karl-May-Festspielen. Sie war “super geflasht”, als sie 2015 ihren Jungfernritt antrat. Vor allem das Miteinander des Teams imponiert ihr noch immer. Die Atmosphäre inmitten rauchender Colts, galoppierenden Pferden und Rothäuten, Explosionen und packenden Zweikämpfen sei sehr familiär. Die Gage, einmalig 4000 Euro, spiele dagegen keine so große Rolle. Viel eher geht es darum, dann und wann aus dem Alltag auszusteigen und eine komplett andere Rolle einzunehmen.

Die der reitenden Indianerin. Oder die der liebenswerten Elfe, die im Gegensatz zu den Büchern von “Herr der Ringe” nicht mit den “Orks” verfeindet ist. Statt Animositäten reichen sich schwarze “Orks” und weiß-silbrige Feen und weitere Fabelwesen zum gemeinsamen Feiern und friedlichen Austausch die Hand.

“Es geht darum, dem Alltag zu entfliehen, mal richtig abschalten, in eine andere Welt zu tauchen, abgeschottet von der Außenwelt auf einem sehr intensiven Level” erklärt Mons Stange den Grund und die Triebfeder ihres Tuns.

Langsam versteht man, wie die junge, kreative Frau tickt. Dass sie trotz der Pest und dem Schrecken des Mittelalters archetypischen Strukturen und die Symbolik von Mythen und Märchen aufrecht erhalten will. “Let your heart be light” ist die Botschaft auf ihrem Social Media Account. Nerds wie Mona (Plural Nerdecke) haben ein magisches, aber mental-vernünftiges Mind-Set, dass auf Respekt und Toleranz gegenüber seiner Mitmenschen basiert. Und sie beweisen, dass entgegen aller Klischees Nerds nicht immer menschenscheue Computerfreaks sein müssen. Sondern das eine Affinität zum Außergewöhnlichen auch eine durchaus emphatische Sache mit viel Spaß sein kann.

So wie auch jetzt bei den Reiterspielen. Wenn die Vorstellung um 15 Uhr beginnt, reiten die Statisten um 14 Uhr mit den gesattelten Pferden zur Hinterbühne und halten sich  bereit. Natürlich verspüre man Lampenfieber, wenn die letzte Fanfare ertönt, so Mona Stange. Die Aufregung  des Publikums übertrage sich. Mit dem Beifall am Ende weiche die Anspannung. “Ein schönes Gefühl, wenn man so bejubelt wird”, gesteht die Stormanerin mit einem charmanten Lächeln. Das Besondere sei, dass rund um den Kalkberg alle miteinander Spass am Job hätten.”Gleichgesinnte, alle vom Karl-May-Virus infiziert” fasst Mona das idealistische Work-Flow-Konzept ihrer Kollegen zusammen.

Wird sie auch im nächsten Jahr wieder dabei sein? “Wohl eher nicht”, blickt Mona dem Ende ihrer Studienzeit entgegen. Dieses Jahr macht sie den Master und arbeitet zusätzlich noch in der Eventagentur ExperiArts Entertainment in Hamburg. Dort betreut sie das Gästemanagement für eine große Charity-Reiter-Veranstaltung. Sie nimmt Anmeldungen entgegen und berät die Teilnehmer. Ihr Chef heißt  Thill Demtrøder. Kommt Ihnen dieser Name bekannt vor? Yes. Yep. Bingo. Er hat 2016 bei den Karl-May-Spielen den Old Shatterhand gespielt. Seite an Seite hat er mit  Mona eng zusammengearbeitet hat. Und half ihr, in das Eventbusiness einzusteigen.

Der Kreis schließt sich. Zu einem holistischen, harmonischen Ganzen. Ganz wie es dem positiven Mindset der multitalentierten, kreativen und eloquenten Persönlichkeit von Mons Stange entspricht.

In der 17.000 Quadratmeter großen Freilichttheater am Kalkberg in Bad Segeberg sind zum 68. Mal die Karl-May-Spiele zu sehen. Bis heute haben schon mehr als 11,5 Millionen Menschen die rund 3.500 Vorstellungen besucht.  80 Mitwirkende zeigen mit 25 Pferden unter anderem spektakuläre Stunts und eine atemberaubende Pyrotechnik. Die Saison dauert vom 23. Juni bis 2. September 2019. Die zweistündigen Vorstellungen beginnen donnerstags, freitags und Sonnabends um 15 Uhr und 20 Uhr, sowie sonntags nur um 15 Uhr. Karten kosten 13 bis 29,50 Euro. Sie können über die Ticekthotline 01805/95 21 21 und im Internet unter www.karl-may-spiele.de reserviert werden. C. Astrid Mohné, Multi-Culti-Press

Gloria Van Krimpen

Gloria Van Krimpen – eine Künstlerin im Interview

Samya Alvarez, 05.07.2019

Relativ locker, sehr lebhaft und eher antiauthoritär. Diese Frau hat Wumms und sie weiß genau was sie tut. In ihrer Arbeit mit Kindern macht sie die Welt ein kleines Stückchen besser, Woche für Woche. Ich habe mich mit ihr getroffen.

Wenn sie über ihre Kinder redet, hebt sie leicht die Stimme an. Sie rutscht dann in dieses typische Sprachmuster, welches man benutzt, wenn man kleine Menschen direkt anspricht. Dafür muss nicht mal ein Kind in der Nähe sein. Dann zieht sie ihre Augenbrauen etwas hoch. Die Lachfältchen, die dann um ihre hellblauen Augen stärker werden, verraten wie gern sie über ihre Kinder spricht.

Gloria Van Krimpen ist Künstlerin in der Lichtwarkschule, eine gemeinnützige Initiative zur künstlerischen Förderung von Kindern in den Brennpunkten Hamburgs. „Starke Kinder durch Kunst“ ist ihr Motto.

In Glorias Klassenraum dürfen Kinder malen, gestalten und basteln. Komplett ohne Wertung und Noten. Sie betreut verschiedene „Farbmäuse“-Kurse, gefüllt mit Fünf- bis Sechsjährigen. Es ist ihr wichtig, dass die Schüler nicht bewertet werden, damit die Angst vor`m weißen Blatt Papier gar nicht erst entsteht. Der Schwerpunkt von Glorias Arbeit liegt bei den Materialien. Wie fühlt es sich an mit den Fingern auf Papier zu malen? Wie sieht es mit Kleister aus? Das Gefühl ist anders, wenn man Sand in den Kleister mischt. Die Kinder sollen an Möglichkeiten und Größe gewinnen. Sie sollen ihre Fähigkeiten austesten und herausfinden, was alles machbar ist.

Ich habe mich in einem Café mit Gloria getroffen und  über ihre Arbeit interviewt.

Samya: Du bist eine der festangestellten Künstler bei der Lichtwarkschule. Welche Ausbildung hast du in diesem Bereich absolviert?

Gloria: Ich habe eine Pädagogische Ausbildung hinter mir. Das ist natürlich wichtig. Seit 22 Jahren arbeite ich mit Kindern.

Samya: Wie lange arbeitest du bei der Lichtwarkschule?

Gloria: Zehn Jahre.

Samya: Nicht schlecht!

Gloria: (Sie nickt) Ich bin in Rotterdam aufgewachsen. Sehr multikulti und ich finde das hilft bei meiner Arbeit enorm. Ich hab mit 16 Jahren meine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, habe auch zwischenzeitlich in Singapur mit Kindern gearbeitet. Ich habe zusätzlich sieben Jahre eine Kunstschule besucht. Irgendwann ist mein Fokus dann von reiner Pädagogik auf Kunst gedriftet und jetzt bin ich bei der Lichtwark gelandet und leite jetzt den „Farbmäuse“-Kurs.

Samya: Wie sieht so ein Kurs aus?

Gloria: Meine Kinder sind im Vorschulalter, ungefähr fünf bis sechs Jahre alt. Im Rahmen des Vormittages verbringe ich dann einmal die Woche 60 Minuten mit einer Gruppe. Wir teilen die Klasse, in der wir arbeiten, dann in zwei Gruppen, damit wir näher an den Kindern arbeiten können. Das sind ungefähr acht Kinder auf einmal.

Samya: Wer ist wir?

Gloria: Ein freiwilliger Helfer und meine Wenigkeit. Ich habe immer mindestens eine Person, die sich ein Schuljahr verpflichtet und mir unter die Arme greift. Da ist es wichtig, dass dieser Mensch auch das ganze Schuljahr da bleibt, um die Kinder nicht zu irritieren. Die Kinder werden natürlich anhänglich und gewöhnen sich an ihre Lehrer.

Ja, dann steht einmal pro Halbjahr ein Museumsbesuch an und zweimal im Jahr wird die Kunst der Schüler im Stadtteil ausgestellt. Dazu kommt ein Kinderfest im Völkerkundemuseum.

Samya: Ist das dann Unterricht, wie wir ihn aus der Schule kennen? Geht es darum hauptsächlich Wissen zu vermitteln, mit Noten und Tests?

Gloria: Auf gar keinen Fall! Natürlich vermitteln wir Wissen, aber es ist mir extrem wichtig, dass kein Leistungsdruck da ist. Jeder Mensch denkt anders, da ist das Outcome ganz unterschiedlich. Die Entwicklungsstände sind ja auch völlig verschieden. Wir bewerten die Arbeiten nicht. Es gibt ein an die Kinder angelehntes Thema, zum Beispiel Jahreszeiten. Viele wissen gar nicht, dass Blumen aus Samen wachsen. Oder was den Frühling vom Winter unterscheidet.

Was manchmal auch schwierig ist, das denkt man so gar nicht, ist Papier reißen. Wenn wir zum Beispiel etwas kleistern wollen. Die motorischen Fähigkeiten sind durch Fernsehen und Co. nicht ausgebildet genug. Vielleicht mögen die Kinder vom Kopf total weit sein, aber die Basis fehlt um selbst kreativ etwas zu erschaffen. Das üben die dann im Kurs.

Samya: Existiert so etwas wie ein Lehrplan an der Lichtwark?

Gloria: Ein Oberthema. Aber das schätze ich an der Lichtwark so sehr, jeder Künstler hat die Freiheit selbst zu entscheiden, wie er oder sie arbeitet.

Samya: Wie arbeitest du am liebsten?

Gloria: Mein Schwerpunkt liegt bei den Materialien. Privat arbeite ich viel an Collagen und so arbeite ich auch am liebsten mit den Kindern. Wir erschaffen Blumencollagen mit Wachs- und Wasserfarbe, Wolle und Papier-Schnipseln. Das Sinnliche ist mir wichtig. Wie fühlt es sich an mit dem Pinsel über ein Papier zu streichen? Ist die Sensation anders, wenn wir Kleister benutzen? Was passiert, wenn wir den Kleister mit Sand vermischen?

Samya: Für mich bitte durch einen typischen Vormittag.

Gloria:  Also, ich stehe um halb sieben auf und fahre in die Veddler Blase. (Sie lacht). Veddel ist wie ein eigenes Dorf inmitten der Großstadt. Die Infrastruktur ist grausam, es gibt nur einen Penny und lange Zeit gab‘s nicht einmal eine Apotheke. Aber jeder kennt jeden. Und jeder, vom Grundschüler bis zum Abiturienten, geht auf diese Fritz-Schumacher-Schule, beziehungsweise jeder ist mal auf diese riesige Schule gegangen.

Um kurz vor acht bereiten wir dann den Unterricht vor, und um acht gehen wir gemeinsam die erste Gruppe Farbmäuse abholen.

Samya: Der Unterricht findet dann im Klassenraum statt?

Gloria: Nein, das wäre katastrophal. Wir sind in einer Werkstatt und der Raumwechsel ist total gut. Erstens fällt das Meiste des Hinterherputzens weg und zweitens verbinden die Kinder diesen Raum nicht mit dem normalen Schulalltag. Außerdem machen wir auch manchmal eine Sauerei (lacht) und das ist auch wichtig!

Auf jeden Fall sind beim Abholen der Kinder die Rituale ganz wichtig. Da sind ein paar zwischen, die sich so sehr freuen uns zu sehen, dass sie uns stürmisch um den Hals fallen. Am Anfang ist ganz wichtig: Ich sehe dich! Was erzählt werden muss wird erzählt und dann gehen wir gemeinsam hoch zur Werkstatt.

Samya: Eine Sauerei, dass die Kinder sich gegenseitig anmalen, statt das Papier, oder wie sieht das aus?

Gloria: Wasser! Ganz viel Wasser. Spätestens am Ende des Unterrichts. Vor allem die Jungs stehen total auf das Ritual die Tische zu wischen. Ich glaube, weil es dreckig ist. Aber auch während des Unterrichts, wenn wir zeichnen und die Kinder malen, durch das Papier auf den Tisch. Sauerei. Aber meine Schuld, weil ich zu dünnes Papier ausgeteilt habe. Außerdem ist Dreck toll. Es erweitert den Horizont. Wenn wir mit Wasserfarbe malen und das Kind über das Blatt hinaus auf den Tisch malt, zum Beispiel. Auf dem Blatt ist ein Bild, aber wenn wir dieses Blatt hochheben, entsteht etwas völlig Neues. Dann hat das Kind einen Rahmen erschaffen! Ja und Gott, dann wischt man das halt später wieder weg. Ist ja nicht das Ende der Welt.

Samya: Da braucht man aber eine ganz schöne Geduld und Ausdauer für. Ich glaube, die meisten Eltern würden die Krise kriegen, wenn das Kind auf den Tisch kritzelt.

Gloria: Hat auch etwas mit Selbstreflexion zu tun. Ich finde, man muss sich immer fragen: Warum verbiete ich das jetzt? Sind das meine Bedürfnisse? Also das Bedürfnis nach Sauberkeit, oder schadet es wirklich? Es muss doch nicht am Blattrand Schluss sein! Wortwörtlich. Außerdem habe ich keine Kinder (lacht).

Samya: Ja, da kann ich mir vorstellen ist die Geduld etwas größer. Wenn man die Kinder wieder abgeben kann.

Gloria: Ja! (lacht) Aber ich brauche es auch nicht, ich arbeite seit 22 Jahren mit Kindern. Ich habe auch kein Bedürfnis mehr nach Eigenen.

Ich habe im Unterricht meine Prinzipien, aber übertriebene Ordnung hat nun bei Kunst mit Kindern wirklich nichts zu suchen. Die Atmosphäre ist mir wichtig. Es geht um Wertschätzung und Respekt. Mir gegenüber, den Mitschülern und den Materialien. Es gibt klare Regeln und natürlich schimpfe ich auch mal. Kinder sind nicht einfach, vor allem nicht in Brennpunkten. Aber ich appelliere an der Empathie der Kinder und die Nachricht kommt an, es funktioniert. Kein Tag ist gleich und es ist auch anstrengend, aber ich habe immer etwas zu lachen.

Bei mir wird auch keiner gezwungen. Wenn einer partout die Aufgabe nicht machen will, wird das schon einen Grund haben.

Samya: Ist die pädagogische Aufgabe der Lichtwark eher Trauma Bewältigung oder geht es einfach nur um das kreative Entfalten?

Gloria: Kreativarbeit und Beziehungsarbeit. Es geht ja nicht nur ums Malen. Meine Arbeit an der Lichtwarkschule bildet in erster Linie das Selbstvertrauen, das was man selbst macht ist gut und es ist okay. Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, dass sie sich ausprobieren können und dann sollen sie an Größe und Möglichkeiten gewinnen. Ich bin auch kein Fan vom “Vermalen”, weil Kinder gerne einfach nachmachen was ihnen gezeigt wird. Und manche Kinder von denen man nicht so viel erwartet, entwickeln dann am Ende zum Beispiel ein hammermäßiges Farbgefühl. Im Künstlerischen darf man nicht zu viel im Kopf haben, man muss sich auf das Phantasievolle einlassen! Und genau das ist das Geniale an Kindern im Vorschulalter. Das ist eine mystische Zeit. Ich kann von Zwergen reden und Drachen und sie stellen das nicht in Frage. Im Idealfall hat für sie der Ernst des Lebens noch nicht angefangen.

Sollten wir nun allerdings bemerken, dass ein Kind wirkliche Schwierigkeiten zu haben scheint, wird die Schule informiert und es gibt eine Kunst Therapeutin.

Samya: Nochmal wieder zurück zum typischen Tag (wir lachen), ihr habt dann ein Projekt für die Stunde und dann?

Gloria: Also ich mache mit beiden Gruppen das gleiche Projekt, klar, und nach der Begrüßung wird erstmal erklärt, was wir heute machen. Ich arbeite gerne übergreifend mit Bildern, Liedern und Reimen. Ich habe auch keine Hemmungen, den Kindern verschiedene Materialien gleichzeitig vorzustellen und mit einzubeziehen, genauso wie ich selber arbeite. Ich schätze an der Lichtwark die Hochwertigkeit der Materialien. Und dann ist den Kindern auch ganz wichtig wer das Papier verteilen darf! Das ist auch so ein Ritual. Am Ende jeder Stunde gucken wir uns die Kunstwerke an wenn Zeit ist, dann ist 30 Minuten Leerlauf und dann kommt Gruppe Nummer zwei.

Samya: Und dann fängt alles nochmal von vorne an.

Gloria: Genau.

Samya: Du hast gerade deine eigene Arbeit erwählt. Wie arbeitest du denn?

Gloria: Also ich habe mich auf Nichts festgelegt, aber in den letzten Jahren lag mein künstlerischer Schwerpunkt auf Installationen. Dazu zählen räumliche Installationen mit Möbeln oder Collagen, Fotographie und abstrakte Malerei. Ich mache eigentlich alles, wo ich mich ran traue. Ich habe auch mal drei Monate mit einem Huhn zusammengelebt.

Samya: Auch selbst ausgebrütet?

Gloria: Ja! Mein Freund ist Vogelbiologe, außerdem sind wir beide Vegetarier. Also habe ich ein Huhn ausgebrütet, und es übrigens Kükie genannt, und dann ihr und mein Gesicht fotografisch gemorpht.

Samya: Kükie, wie süß.

Gloria: Kükie war ein sehr kuscheliges Huhn.

Samya: Also doch auch politisch, beziehungsweise moralisch.

Gloria: Naja, woran ich Spaß habe ist ein gewisser Humor und eine gewisse Provokation. Aber Provokation ist relativ und am Ende mache ich keine Politik, ich mache Kunst! Ich will nicht belehren. Es geht um den Ausdruck meiner Gedanken und Ideen zu einem bestimmten Thema. Das ist dann eben auch gesellschaftskritisch.

Samya: Ich finde eine gewisse Gesellschaftskritik braucht es auch, um die Gesellschaft voran zu treiben.

Gloria: Ich finde Menschen brauchen einfach einen Weg, um für ihre Bilder und Phantasien ein Ausdrucksmittel zu finden. Natürlich gibt es einige Menschen auf dieser Welt, dessen Phantasien auf gar keinen Fall veröffentlicht werden sollten, aber in diesem Fall reden wir von Kindern. Kinder sind unschuldig, neugierig und probieren alles aus. Sie sind noch nicht so stark in diesem furchtbaren Bewertungssystem drin.

Samya: Es läuft schon so Einiges schief in dieser Welt.

Gloria: Ja, aber es gibt einen Weg, die Welt noch zu retten. Da glaube ich fest dran, ich bin ja kein Pessimist. Den ganzen Schaden, den die Menschen auf dieser Erde angerichtet haben, kann man noch rückgängig machen. Die Kinder werden etwas Positives mitnehmen. Und auch, wenn sie den Unterricht vergessen, werden sie eine positive Entwicklung mitgenommen haben.

Samya: Ist das der Grund, warum du diesen Job machst?

Gloria: Ich halte es für eine sinnvolle Aufgabe. Und ich finde, man sollte sich philosophisch fragen, ob man einen Beruf will oder einen Job. Fragt man sich am Ende des Lebens: Habe ich mich verwirklicht oder von meinem wahren Wesen abgekoppelt? Ich mag Kinder, ich habe Freude an ihrer Kreativität. Ich kann Kunst machen und damit Geld verdienen. Deshalb mache ich es.

Liebe liegt in der Luft! Foto: Hanf! Hamburg

Der Kiez. Unsere Reeperbahn. Unsere Kultur?

Jenny Hanf, 19.06.2019

Pssst, rutscht näher heran, dann verrate ich euch ein Geheimnis! Noch näher! Heute erzähle ich euch etwas über die Sünden in Hamburg. 

Wie ihr ja bestimmt wisst, hat Hamburg einiges an Kunst, Sehenswürdigkeiten und Kultur zu bieten. Dazu gehört auch die sogenannte sündige Meile, unsere Reeperbahn mit dem St. Pauli Theater und der bundesweit bekannten Polizeistation, der Davidwache.

Wir Hamburger sind stolz auf unsere schöne Stadt und wir freuen uns auf Besucher jeder Couleur. Nun kommen die sensationellen Geheimnisse, das ist nichts für schwache Nerven! So unglaublich, dass ich euch jetzt die Gelegenheit gebe, diesen Artikel wegzuklicken, oder die Augen zuzuhalten. Lesen ist wunderbar und ein Teil der persönlichen Freiheit unserer Demokratie. Kann man machen, muss man aber nicht.

Noch da? Schön, weiter im Text. Haltet euch fest.

* Burger King auf der Reeperbahn, gegenüber der berühmten Davidwache, ist nicht die kulinarische Krönung von Hamburg * Die Herbertstraße ist kein Ausflugsziel mit Aussichtsplattform für Selfie-Süchtige * Die Davidwache ist keine Theaterkulisse * Das Waffenverbot ist kein Aprilscherz *

Rückblick. Vor vierhundert Jahren entstand die große Freiheit inmitten der Hansestadt für Matrosen, Reepschläger, also Taumacher und all jenen, die am Rande der Gesellschaft lebten. Der heutige Spielbudenplatz war damals das Zentrum der Zurschaustellung von entstellten, armen Kreaturen, die sich ein Zubrot verdienen wollten. Prostitution und Gaukelei in einem unansehnlichen Stadtviertel, Dreck und Gestank dominierten das illegale Treiben. Mit der Besetzung durch die Franzosen 1723 wurde die Prostitution legalisiert und der Kiez wuchs auf mehreren Ebenen zum Vergnügungsviertel. In den 60er Jahren waren „Sex, Drugs & Rock`n Roll“ an der Tagesordnung, Jimi Hendrix, die Beatles, sie kamen und prägten die 930 Meter lange Reeperbahn.

Die starke Anziehungskraft für Besucher galt nicht nur den Clubs, Theatern und Bordellen, sondern auch Bandenkriege, Frauenmorde, Zuhälter und Drogen färbten das Rotlichtmilieu immer wieder schwarz. Das Verruchte wurde gesellschaftsfähig, getrieben von Neugier und Schaulust.

Das mehrschichtige Leben im Dunkeln pulsierte, legal oder illegal und die Besucherzahl wuchs und spülte Unmengen Geld in unsere Kassen. In den 80ern kam Kultur und mit ihnen die kultigen Docks, die Theater, prominente Schauspieler gaben unserem Kiez ein Gesicht. Otto Normalverbraucher gönnten sich in schummrigen Bars Striptease von der Stange und genossen die Reeperbahn, so wie sie war – bunt, vergnüglich, kultig mit käuflichem kurzweiligen Glück. Ein verruchtes, schillerndes Plätzchen, direkt an der Elbe inmitten unsere schönen Hansestadt.

Heute fluten bis zu 30 Millionen Besucher im Jahr die Straßen von St. Pauli, größtenteils Touristen, die mittlerweile zur Horde Schaulustiger geworden sind. Der Promillewert jenseits von Gut und Böse, dank der 57 Kioske, die gerne flaschenweise Alkohol an Feierlustige verkaufen. Es wird die „Kiosk Epidemie“ genannt, dazu kommen 40 Bordelle, 26 Diskotheken und 10 Sexshops. Das Kulturgut Theater kann man an einer Hand abzählen, und diese kämpfen um jeden zahlenden Gast. Dafür explodieren die Rotlicht-Stadtführungen, geführt von regional bekannten Drag Queens wie Lilo Wanders oder Olivia Jones. Man erkennt Touristen leicht, in Jack Wolfskin Jacken eingehüllt, das Smartphone auf Augenhöhe, bereit für einen Schnappschuss. So einige Prostituierte sind ja fotogen. Ob sie wollen oder nicht. Höhepunkt der Stadtführungen ist das Eingangstor zur Herbertstraße, dort arbeiten 250 Frauen als Prostituierte und bieten ihre Dienste in Schaufenstern an. Ein Tor mit der Aufschrift: „Für Jugendliche und Frauen ist der Zutritt verboten“ verschließt neugierige Einblicke. Das hält nur wenige Frauen ab, den Ehemann im Schlepptau, sich der Sensationsgier hinzugeben.

Nun, das nennt sich wohl individuelle Freizeitgestaltung.

Wie komme ich eigentlich auf die absurde Idee, unsere bunte Kiez Kultur wäre gefährdet?

Der Bezirksamtschef Falco Droßmann (SPD) sieht zwar die vielfältige Kultur auf St. Pauli bedroht, zitierte aber: „Das alte St. Pauli verschwindet leider langsam, der Kiez müsse sich selber neu finden. Es liegt nicht an der Stadt, sondern die Grundeigentümer setzen die Kulturlandschaft auf dem Kiez aufs Spiel, weil versucht wird jeden Quadratmeter in Geld umzuwandeln.“ Ich dachte immer, Stadtplanung und Vergabe von Konzessionen seien Aufgabe der Politik, aber vielleicht steht dem guten Willen die Gewerbesteuern im Weg? Immerhin ist der Umsatz von Alkohol lukrativer als die der Kleinkunstbühnen. Ja, es gibt die Gewerbefreiheit, also freies Unternehmertum, aber auf wessen Rücken wird das ausgetragen?  Zudem lockerte der CDU Senat  die Ladenschlusszeiten auf unserem Kiez für die Kioske und Supermärkte, und tröpfelte damit Öl ins Feuer.

Das erinnert ein wenig an “Panem et circenses” – Brot und Spiele für das Volk, besser gesagt Dosenbrot und Doktorspiele, um diese von Protesten abzuhalten und sich zu sehr für Politik zu interessieren.

Wir sind das, was wir konsumieren. Wäre es nicht wunderbar, das schillernde Spektrum zu erhalten und wir vorher überlegen, wie wir unser sauer verdientes Geld investieren?

Was wird aus der sündigsten Meile Hamburgs, wenn sich weiterhin Fast Food Läden, Souvenir- und Sex Shops sowie Kioske nahtlos aneinander reihen?

Unsere Reeperbahn! Unsere Kultur. Unser Konsum? Unsere Entscheidung!

Kabarettist Felix Oliver Schepp, der Traum aller Schwiegermütter! Foto: Jenny Hanf

Von Schwiegersöhnen und Klabautermännern

Jenny Hanf, 22.05.2019

Wer zum Teufel ist auf die Idee gekommen, bei diesem nasskalten Wetter vor die Tür zu gehen? Ach, das war ja ich.

 
Zähneklappernd warte ich auf den Bus gen Hamburg City, genauer gesagt Nicolaifleet. Einen schönen Abend mit Freunden verbringen, Speis, Trank und Kultur, die Wahl fiel auf „Das Schiff“ - das einzige seetaugliche Schiffstheater Europas.

Seit 40 Jahren begeistert das schwimmende Theater mit Kabarett und Kleinkunst auf höchstem Niveau. Solo Programm „Hirnklopfen“ des Kabarettisten und Chanson Sängers Felix Oliver Schepp. Hirnklopfen, mein erster abstruser Gedanke: Schlaganfall? Tourette Syndrom? Ich kenne Felix von anderen Kulturabenden, als Moderator hat er ein unglaubliches Talent Menschen zusammen zu bringen und in eine Stimmung zu versetzen, die man erlebt haben muss. Aber einen ganzen Abend? Felix, Typ perfekter Schwiegersohn, passt nicht so recht in meine Vorstellung eines scharfzüngigen Kabarettisten. Zu dritt und frisch gestärkt gehen wir aus einem Restaurant über die Straße zur Nicolaibrücke, die Kulisse ist unauffällig und beeindruckend zugleich. Auf der einen Seite blitzt unsere Elbphilharmonie hinter den Hausfassaden hervor, auf der anderen die Nicolaikirche. Eine Bilderbuchszene, Hamburg bei Nacht, mittendrin das beleuchtete Theaterschiff, ruhig liegend im Fleet. Mehrere Stege verbinden das Schiff mit dem Festland. Von barrierefrei kann keine Rede sein, eher Akrobatik a là Cirque du Soleil.

Unfallfrei angekommen werden wir vom Intendanten, Heiko Schlesselmann, empfangen. Er sitzt in einem Verschlag am Eingang, kaum größer als eine Streichholzschachtel, und kümmert sich um die Eintrittskarten und die zahlreichen Fragen der ankommenden Gäste. Ich muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass dieses Theaterschiff seine Herzensangelegenheit ist. Es ist kuschelig warm, das urige Innenleben des Theaters erinnert an ein Tivoli Anfang der 20er Jahre. Meine Begleiter, Katharina und Oliver, waren noch nie hier und zücken sogleich ihre Smartphones, um Erinnerungsbilder zu machen. Alte Schiffsglocken, antiquarische Blechschilder mit skurrilen Verboten, Fotografien von Unterstützern und Freunden des Theaters zieren jeden freien Fleck vom Unterdeck. Ja, das Unterdeck mit kleinen Bullaugen, aber eben im Bauch des Schiffes. Unauffällig schiele ich gen Notausgang, wissentlich, dass es an diesem Abend mehr als gemütlich werden wird. Ich fühle es regelrecht, es ist wie ein Dreier-Sofa und fünf Familienmitglieder quetschen sich dazu, ist ja so schön…Das Unterdeck füllt sich, nach und nach trudeln die Gäste ein und suchen sich ihren Platz auf den ergonomisch interessanten Stühlen.

Das fröhliche Gemurmel ist ansteckend, Platzmangel fördert definitiv das Miteinander und Zugehörigkeitsgefühl. Ich bin sehr gespannt, denn ich bin kulturell verwöhnt – ich habe im Laufe der Jahre viele Bühnenauftritte verschiedenster Künstler erleben dürfen – auch auf dem Theaterschiff. Das Gemurmel in den Stuhlreihen legt sich langsam, alle Blicke zur Bühne gerichtet – sie ist so groß wie ein Klavier. Und ach, da steht ja auch ein Klavier. Mit Donnerbräu gewappnet genießen wir fast zwei Stunden wortgewaltige, kabarettistische Gratwanderungen zwischen poetischer Alltagscomedy und virtuosen Klavierklängen. Mir schießen die Tränen in die Augen vor lachen, der Felix, der jungenhafte Schwiegersohn, einfach unglaublich. Beim Klabautermann! Er wird doch nicht dieses heikle Thema aufgreifen?

Kann er einfach … ?

Doch, er kann. Und er wird.

Ein Virtuose auf der Bühne. Chapeau! Auf dem Weg nach Hause komme ich nicht umhin festzustellen, dass die gnadenlose Kälte von unten durch die Hosenbeine heraufkrabbelt. Macht aber nichts. Von innen ist mir entsetzlich warm, gefüllt mit Gags und musikalischen Ohrwürmern.

Demütig ziehe ich meine Wollmütze und verneige mich ganz tief vor so viel künstlerischem Talent.

In Hamburg sagt man Tschüss!
Dass heißt “Auf Wiedersehen”,
das klingt vertraut und schön,
und wer einmal in Hamburg war,
kann das gut verstehn`

Die LichtwarkSchule- Starke Kinder durch Kunst; Foto Samya Alvarez

LichtwarkSchule: Starke Kinder durch Kunst

Kevin M., 30.03.2019

Aufgegeben. Unsicher. Orientierungslos. Kinder aus gesellschaftlichen Brennpunkten haben oft nicht dieselben Chancen im Leben. Die LichtwarkSchule fängt da an, wo das Bildungssystem aufhört. Doch wie funktioniert die Förderung von Kindern über soziale und kulturelle Grenzen hinaus?

Alfred Lichtwark war Begründer der Museumspädagogik und großer Kritiker der Pädagogik seiner Zeit. Im Jahre 1896 eröffnete er als Leiter der Kunsthalle Hamburg, eine Ausstellung mit dem Thema: Wie Kinder denken und malen. Er war der Überzeugung „Kunst ist für alle da und kann allen von Nutzen sein“.

Mithilfe der Kunstbetrachtung und dessen kreativer Auseinandersetzung sorgte er für die Vermittlung von Werten und Bildung. Daran knüpft die LichtwarkSchule, eine gemeinnützige Organisation aus Hamburg, heute an.

Was kann man darunter verstehen?

Die Organisation ist eine angedockte mobile Kunstschule. Das bedeutet, sie haben keine eigenen Unterrichtsräume, sondern lehren in den entsprechenden Bildungseinrichtungen. Pro Jahr werden zwischen 300 bis 500 Hamburger Kinder, an zwölf Schulen, in acht Stadtteilen begleitet.

Dabei sind:

  • ehrenamtliche Unterstützer – vom Studenten bis zur Generation 50 plus
  • zehn bis 15 Künstlerinnen und Künstler

Einen Kurs mit Zehn Schülern leitet ein akademisch ausgebildeter Kunstschaffender, welcher mit dem pädagogischen Konzept der Organisation vertraut ist. Außerdem besitzt er eine zusätzlich zertifizierte Sprachförderung. Des Weiteren sitzt ein Freiwilliger mit im Kurs, welcher sich für mindestens ein Jahr verpflichten muss. Er hilft dem Kursleiter und schreitet bei Problemen oder Zwischenfällen ein. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, absolviert er eine Fortbildung.

Es gibt keine Bewertungen für die Schüler, lediglich eine Unterstützung des künstlerischen Entwicklungsprozesses. So können die Kinder ohne Angst ihrer Kreativität freien Lauf lassen und entdecken neue Denk- und Herangehensweisen. Oftmals erfahren die Schüler innerhalb dieses Konzeptes das erste Mal Wertschätzung. 

Die Werke der Kinder werden einmal im Jahr an öffentlichen Orten in den jeweiligen Stadtteilen ausgestellt. Es werden Ausflüge in Museen und Parks organisiert, um die eigene Stadt und Naturmaterialien kennenzulernen.

„Wenn wir merken, die Kleinen brauchen zusätzliche Unterstützung, können wir eingreifen. Wir sind im engen Kontakt mit Lehrern, Einrichtungen wie Stadtteilkulturzentren oder Beratungsstellen und Angeboten, die es auf sozialer Ebene gibt”, erzählt Regine Wagenblast im Interview mit Kolumne Hamburg.

Sie kümmert sich um Strategie, konzeptionelle Ausrichtung und Fundraising. Die LichtwarkSchule behält durch ihr Konzept eine gesunde Unabhängigkeit und ist immer da, wo sie gebraucht wird. Das wird vom Kess Faktor, also dem Sozialindex bestimmt. Wenn die meisten Schüler aus bildungsfernen Schichten und schwierigen Verhältnissen kommen, hat die Lehranstalt einen Sozialindex von 1. Ist das Gegenteil der Fall, liegt dieser bei 6.

„Wir sind nicht der Satellit der alles umkreist, wir sind mittendrin und sorgen in den Brennpunkten für soziale Integration“, so Wagenblast.

Effektivität

Abgesehen von dem Zuspruch und den Beobachtungen von Lehrern, wurde der Erfolg zusätzlich mithilfe einer Evaluation bewiesen. Die Durchführung der Bewertung übernahm Diplom-Psychologin Anna Sommer, für die Gesellschaft zur Förderung der angewandten Psychologie e. V.. Bei den Kursteilnehmern der Organisation wurde eine Steigerung des Selbstwertgefühls, des Lern- und Sozialverhaltens, der kulturelle Akzeptanz, sowie die Wertschätzung von Kunst und ihren eigenen kreativen Fähigkeiten festgestellt.

„Wenn wir einmal in einer Schule drin sind, kommt es in der Regel zu einer langfristigen Kooperation. Die Schulleiter erkennen und sehen die Verbesserung ihrer Schüler durch unsere Kurse“, bestätigt Regine Wagenblast die Ergebnisse der Evaluation.

Finanzierung

Finanziert wird die Einrichtung mit Honorarmitteln der Bildungsstätten und Kitas. Kees 1 Einrichtungen bekommen von der Stadt mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und so kommen diese Projekte genau dort an, wo sie gebraucht werden. Zum Zweiten gibt es eine Förderung von Bundesprogrammen, wie zum Beispiel: „Kultur macht stark“. Und drittens durch Spenden. Ein Kurs kostet circa 6.000 Euro. Mit 480 Euro im Jahr, also 40 Euro im Monat, finanziert man ein Kind und erhöht somit dessen Bildungschancen. Man kann allerdings auch einen beliebigen Betrag entrichten. „Jede Spende hilft uns, egal wie hoch sie ist“, erläutert Regine Wagenblast.

Aussicht und Motivation

Das große Ziel für die Zukunft ist finanzielle Stabilität. Das ist die Grundvoraussetzung für eine Expansion. Dies wäre dann der nächste Schritt. Gespräche mit Einrichtungen in Schleswig Holstein werden bereits geführt. Die treibenden Kräfte der Beteiligten ergründet sich in der Überzeugung an die emotionale und bildende Wirkung von Kunst. „Das Bildungssystem fokussiert sich zu sehr auf die Leistungen und vernachlässigt die Kreativität. Die wird aber immer wichtiger. Wir müssen also auch das Bildungssystem anpassen“, so Wagenblast über ihre Beweggründe.

Diese Motivation ist nicht unbegründet. Auch der renommierte Gehirnforscher Gerald Hüther, stellt sich die Frage, wie man die Kreativität der Kinder erhalten kann. Laut Studien besitzt man in jungen Jahren 80 Prozent davon und im erwachsenen Alter nur noch sieben Prozent. Einen Großteil verliert man durch die Schulzeit. Er sagt über die Organisation: “Wenn es einen Oscar für Social Business gäbe – die gemeinnützige LichtwarkSchule hätte ihn in den Kategorien Gestaltungskraft, Kreativität und Selbstwirksamkeit mehr als verdient.“

Filmstart von Iron Sky 2, Splended Films, AIM

Make Earth Great Again – Iron Sky 2: The Coming Race

Salem M., 21.03.2019

Mondnazis, Reptilien-Menschen und eine hohle Erde. Das klingt nach einer Verschwörungstheorie, die den durch ebensolche bekannt gewordenen und  2014 verstorbenen Dr. Axel Stoll verzückt hätte. Aber es ist ein actionreicher Kinofilm, der mit einigen scharfzüngigen Referenzen für diverse Lacher sorgt.

Die Invasion der Mondnazis hat einen Atomkrieg ausgelöst. Washington D.C. wird durch einen Nuklearangriff komplett zerstört. Wolkenkratzer fallen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Sarah Pallin, die Präsidentin der USA, erreicht gerade rechtzeitig ihren Hubschrauber und wird über die brennende Stadt in die Antarktis evakuiert. Getrieben von der rücksichtslosen Kälte steigt sie ins Erdinnere hinab.

20 Jahre später befinden wir uns in einer ehemaligen Nazi-Basis auf der dunklen Seite des Mondes. Die letzten Überlebenden des Krieges vegetieren in ihrem langsam zerfallenden, hoffnungsverschlingenden Rückzugsort. Protagonistin Obi Washington (Lara Rossi) und ihre todkranke Mutter Renate Richter (Julia Dietze) kämpfen sich von Tag zu Tag. Sie sind überzeugt, die letzten ihrer Art zu sein, bis der Radar plötzlich Alarm schlägt! Ein fremdes Raumschiff dringt strauchelnd in den Luftraum ein. Insassen sind russische Flüchtlinge, angeführt vom sowjet-verliebten Piloten Sasha (Vladimir Burlakov).

Unter den Flüchtlingen reist auch der “Mondführer” Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) mit. Er verschanzt sich in seinem ehemaligen Büro, doch Obi folgt ihm und erfährt so von den Echsen-Menschen, auch genannt Vril. Der einzige Weg, ihre Mutter und die anderen in der baufälligen Basis zu retten sei der heilige Gral, welcher eine unerschöpfliche Kraft enthält. Ob Bekämpfung von Krankheiten oder Bereitstellung von Energie aller Art: Sie löst alle Probleme der Gestrandeten. Renate ist Anhängerin des Jobismus, eines religiösen Kults, der Apple-Schöpfer Steve Jobs und all seine Produkte vergöttert. Dessen Oberhaupt Donald und seine engsten Vertrauten schließen sich Obis Mission an. Zusammen mit Sasha und Wachmann Malcolm (Kit Dale) macht sich die Gruppe auf den Weg zur hohlen Erde.

Wie bereits der Vorgänger wurde Iron Sky 2 – The Coming Race hauptsächlich durch Crowdfunding finanziert. Er sollte letztes Jahr in die Kinos kommen, doch seit 2016 kam es immer wieder zu Verschiebungen, die die Fans warten ließen. Hat es sich gelohnt? Jein.

Viele der Gags sind mehr als abgedroschen, andere dafür umso genialer. Die Spezialeffekte wirken, als hätte man sie aus dem Jahr 2005 geklaut. Manchmal ist man sich nicht sicher, ob es sich um Computer generierte Bilder oder eine Knet-Animation handelt. Auch die Action wirkt von Höhepunkt zu Höhepunkt immer erzwungener. Sie reiht sich auf, wie an einer Perlenkette, die kein Ende nimmt. Dieses sehnt man nach zwei Drittel der Spielzeit förmlich herbei. Dann, der Abschluss. Doch nicht… ein weiterer teils ermüdender Witz.  Im Finale geht es zum Mars. Die Offenbarung, wer diesen vereinnahmt hat, entlockt  immerhin einen ehrlichen Schmunzler. Wie es sich in der Kinolandschaft gehört, wird Raum für eine weitere mögliche Fortsetzung der Reihe geschaffen.

Im Vergleich zum ersten Iron Sky hat The Coming Race nachgelassen, die Lacher durch absurden Humor aber nicht. Er eignet sich hervorragend für einen feucht-fröhlichen Trashfilm-Abend mit guten Freunden. Und ist seit heute in den deutschen Kinos.