Go to the top
Brettspiel

Der Spaß am Spiel – Erleben Gesellschaftsspiele eine Renaissance durch die Pandemie?

Kenny Schumacher, 28.02.2021

Klassische Gesellschaftsspiele haben gegenüber der digitalen Unterhaltungsindustrie einen schweren Stand. Streamingdienste wie Netflix, Disney + und Twitch, das Video Content Portal Youtube, oder aber das vielfältige Angebot der Videospiel Industrie, bieten unzählige Stunden an Unterhaltung. Dennoch verzeichnen die Spielwarenhersteller in Deutschland zuletzt einen positiven Trend.

 

Wie so viele andere Läden und Geschäfte, ist auch das Atlantis in Wartenau vom aktuellen Lockdown betroffen. Die Regale im Ladeninneren sind gut sortiert und bieten eine große Auswahl unterschiedlichster Brettspiele, Rollenspiel–Systeme und Miniaturen. Das ein oder andere Deko-Stück aus dem Fantasy- und Science-Fiction Bereich setzt optische Highlights und lässt Nerdherzen höher schlagen. Wer bei dieser Bandbreite die Übersicht verliert, findet kompetente und fachkundige Beratung bei den freundlichen Mitarbeitern.  Noch könne man sich einigermaßen über Wasser halten, so Ingolf Tews, Gründer und Eigentümer des Atlantis. Aber die Sorge wächst. „Ich hatte schon eine Vorahnung, dass ein zweiter Lockdown kommen würde und habe angefangen, finanzielle Rücklagen zu bilden. Durch die Rücklagen sind wir nicht unbedingt am Boden zerstört, aber es fehlen definitiv Einnahmen. Im letzten Jahr haben wir erstmals weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr und viele Bereiche laufen jetzt im zweiten Lockdown deutlich schlechter, als noch im vergangenen März.“, sagt Tews im persönlichen Interview.

Also doch kein so positiver Trend, wie vermutet?

Tatsächlich sind Gesellschaftsspiele und Puzzles in der Pandemie so gefragt wie nie – in der Branche spricht man sogar von ersten Lieferengpässen. Die deutschen Spielewarenhersteller haben ihre Produktion in den ersten neun Monaten der Pandemie deutlich hochgefahren. Im Gegensatz zum Vorjahr um 3,4 Prozent, laut dem Statistischen Bundesamt.
Immer mehr Menschen finden wieder Freude am Gesellschaftsspiel – fast schon eine logische Konsequenz in Zeiten, in denen soziale Kontakte und Interaktionen stark eingeschränkt sind. Diesen Trend kann auch Ingolf Tews bestätigen: „Der kommunikative Faktor bei Brettspielen ist einfach sehr stark und verbindend – diese Entwicklung sehen wir in den letzten Jahren deutlich. Menschen treffen sich wieder häufiger und machen einen Spieleabend zum Event.

 

Spieleverlage jubeln, der Einzelhandel hat zu kämpfen

 

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach spielen rund 33 Millionen Deutsche zumindest ab und an Gesellschaftsspiele – rund 5,6 Millionen sogar regelmäßig. Vor allem Klassiker wie „Monopoly“, „Kniffel“ und „Mensch ärgere dich nicht“ sind derzeit sehr gefragt. Zudem sind kooperative „Exit Games“ und sogenannte „Roll & Write“-Spiele, mit schnell verständlichen Erklärungen und kurzer Spielzeit, sehr erfolgreich. „Der Bereich Brettspiele entwickelt sich schon seit etwa 10 Jahren massiv nach vorne – interessanterweise parallel, oder vielmehr als Gegenpol zu den Computerspielen.“, erklärt Ingolf Tews. Die allgemeine Entwicklung der Spieleindustrie sieht er allerdings skeptisch: „Natürlich jubeln die Spieleverlage momentan. Aber man muss auch sehen, welche Art von Spielen aktuell gut läuft und wie viele Hinten runterfallen, weil sie sich im ersten Monat nicht gut verkauft haben. Ob das für die Spieleindustrie so gut ist, vor allem in puncto Vielfältigkeit, das ist die Frage. Alles was komplexer ist und mehr Möglichkeiten bietet, läuft momentan sehr schlecht.

 

Pen & Paper Stifte Würfel Charakterbogen

Charakterbogen, Stift und Würfel: Pen & Paper Rollenspiele bieten eine komplexe und tiefgehende Spielerfahrung. Foto: Marcel Ste @Pixabay

Problematisch sind die vielen abgesagten Messen und Roadshows für die Spieleverlage. „Gesellschaftsspiele brauchen nun einmal die Gesellschaft.“, so Axel Kaldenhoven, Chef des Verlags Schmidtspiele. Neuheiten ohne die Möglichkeit der Kommunikation auf den Markt zu bringen, gestalte sich als sehr schwierig. Sorge vor einem Absturz der Verkaufszahlen nach dem möglichen Ende des Lockdowns, bestehe bei den Verlagen allerdings nicht. Man habe genug Menschen wieder für das gemeinsame Spielen begeistern können. „In der digitalen Welt brauchen die Menschen auch mal Abwechslung“, meint Hermann Hutter, Vorsitzender des Branchenverbands  Spieleverlage e.V. „Je mehr die Menschen spielen, desto mehr Lust bekommen sie“.

 

Kontaktbeschränkungen treffen Spieler-Community hart

 

Ein weiteres großes Problem stellen auch die aktuellen Kontaktbeschränkungen für alle leidenschaftlichen Spieler dar.  „Unter normalen Umständen kann man in Hamburg jeden Tag zu einem öffentlichen Spiele-Treff gehen“ , sagt Ingolf Tews im Interview. „Das fällt jetzt alles weg und niemand weiß, wann es wieder möglich sein wird – selbst wenn der Lockdown wieder vorbei ist. Es macht einfach unglaublich mürbe und leider geht auch viel verloren. Das Wegfallen der Conventions ist für viele finanziell desaströs, vor allem aber sehr traurig! Denn dort treffen sich die leidenschaftlichen Spieler und die Community.“ Zwar bieten die heutigen technischen Mittel  Möglichkeiten, sich via Internet zu treffen und gemeinsam zu spielen: Die Spiele lebten aber von der direkten Kommunikation, vom Austausch und Fachsimpeln, so Tews weiter.

Um etwa 30 Prozent stieg der Verkauf von Spielen für Erwachsene 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Die Umsätze von Gesellschaftsspielen insgesamt erhöhten sich um 21 Prozent. Die positive Entwicklung für die Spieleindustrie ist nicht von der Hand zu weisen. Für den Einzelhandel und somit Geschäfte wie das Atlantis, gestaltet sich die Situation jedoch nach wie vor schwierig.
Der zweite Lockdown kam ja noch vor Weihnachten und das war natürlich besonders hart, weil damit das komplette Weihnachtsgeschäft für uns zunichte gemacht wurde. Wir hatten unser Lager mit Ware vollgepackt und dann sind wir darauf sitzen geblieben“, sagt Tews. Er wünsche sich eine klarere Linie bei den Lockdowns und hoffe den großen Absturz durch Arbeitslosigkeit vermeiden zu können. Und das Atlantis bald wieder öffnen zu dürfen. „Uns fehlt vor allem der Kundenkontakt extrem – wir alle machen den Job ja nicht, um damit reich zu werden“.

Nach wie vor kann man telefonisch oder per Email Kontakt zum Atlantis aufnehmen, sich beraten lassen und den Laden unterstützen, indem man seine Spiele dort kauft. Ähnlich wie bei Restaurants holt man seine Bestellung dann vor Ort ab.

 

- Den Link zur Internetseite des Atlantis findet ihr hier -

Jule genießt ihren neu eingerichteten Stadt-Balkon mit Gitarren-Musik, Foto: Kolumne Hamburg.

Auftanken während Corona: Wohin, wenn die ganze Welt auf Abstand geht?

Hanah Iris und Julien, 08.09.2020

Auftanken während Corona – geht das überhaupt?? Ein unbekannter Virus, der die Gesellschaft vor neue Hürden stellt… Auswirkungen hat man auf der ganzen Welt gespürt. Aber wo kann man hin, wenn die ganze Welt auf Abstand geht? 

Um mal richtig abschalten zu können, brauchen wir alle einen Ort zum Ruhe-Tanken. Und wie betrifft Corona die, die nicht davon betroffen sind? Wir haben drei Hamburger gefragt.

Die Reise- und Verkehrskauffrau Jule hat uns zu sich eingeladen. Sie ist eine der Corona- Heldinnen, die sich um alles von Kurztrips bis Familien-Urlaub gekümmert hat. Alle Urlaube, die bereits Monate zuvor gebucht waren, mussten von heute auf morgen gecancelt werden. In den Reisebüros hagelte es dementsprechend Kritik am Telefonhörer. „Die meisten Kunden waren sehr verständnisvoll. Aber es gab auch einige, die aufgebracht ihr Geld zurückforderten“, sagt Jule. Eine fordernde Zeit für die Arbeit mit Kunden-Kontakt. Das moralische Dilemma musste man so gut es ging verstecken. Außerhalb des Arbeitslebens galt es den Stress abzubauen. Entspannung hat die junge 22-Jährige für sich selbst neu definiert. Das DIY Projekt (Do It Yourself) „BALKON“ war geboren. Und somit wurde der einfachen Stadtbalkon in eine Maritime Schwebende Oase verwandelt.

Mit dem Flugzeug in ferne Länder zu fliegen – vor Corona nicht wegzudenken.   Hinter jeder Reise steht ein großes Team an Personal. Alex ist als Flugbegleiterin bei der Lufthansa bereits über 25 Jahre dort tätig.   Sie erzählte uns von ihrem Alltag in der Kurzarbeit. „Abgesehen davon, dass ich nicht mehr fliege, hat sich nicht viel geändert.“ sagte sie. „Das einzige was Corona mir genommen hat, sind die ganzen Konzerte auf die ich mich so gefreut habe!   Mein Mann und ich teilen unsere Leidenschaft zur Musik, und gehen seit vielen Jahren regelmäßig auf Konzerte.“

Als Flugbegleiterin, die hauptsächlich lange Strecken fliegt, hat Alex auch im „normalen Alltag“ viel Zeit zuhause.   Sie fliegt Teilzeit; meistens ist sie 3-5 Tage weg, dann wieder knapp eine volle Woche zuhause.  Aktuell muss sie nur etwa alle drei bis vier Wochen die Uniform anziehen. Sie erzählt wie ihr aufgefallen ist, dass viele Menschen in ihrem Wohnort wieder mehr unterwegs sind. „Die Besorgungen wurden eine ganze Weile sehr zielstrebig gemacht. Jeder ist auf dem direkten Wege einkaufen gegangen. Inzwischen spürt man, dass die Menschen rausgehen und sich trauen.“ Eindrücke aus dem öffentlichen Leben teilt Alex auch mit uns. „Ich bin auch schon mit Freunden in der Stadt essen gegangen.  Ich war auch auf ein, zwei Partys. Die waren zwar privat, aber überall mit Sicherheitsabstand.”

Jonathan arbeitet seit Corona im Home Office. Der Kundenbetreuer in der Radiovermarktung hat täglichen Kontakt zu seinen Klienten. Für den Radiomarkt hat Corona viel getan. „Es war wirklich sehr stressig am Anfang“, laut Jonathan, „Stornierung über Stornierung für fast zwei Monate! Und auf einmal ging es bergauf. Inzwischen ist es wieder ganz normales Arbeiten.“ Für ihn lohnt sich das Home Office sehr. „Ich spare jeden Tag zwei Stunden, die ich sonst in der Bahn sitze. Das ist Lebensqualität die ich jetzt auskosten kann.“ Für den 25 jährigen ist diese „aufgeholte Zeit“ wertvoll investiert.  Die Zeit die er gewonnen hat, wird nämlich mit „Selfcare 2020“ gestempelt. 

Ruhe finden kann er im Sport und beim Sonne tanken, besser denn je. „Meine Mutter ist in der Risikogruppe, deshalb fällt mir das schon schwer sie nicht zu sehen, auch wenn sie das ungern akzeptiert“ vertraut er uns an.  „Es ist schon etwas beängstigend wenn du hörst, dass deine Mutter zur Risikogruppe gehört. Da verzichte ich lieber jetzt, und hole dann das liegengebliebene auf wenn´s soweit ist.“ Die Beziehung zu Freunden und Verwanden hat gelitten.  Das macht gleichzeitig die kommenden Treffen etwas Wertvoller. Jonathan erzählt davon, wie er auch in seinem privaten Umfeld auf Abstand achtet, und trotzdem Wege gefunden hat seine Freunde nicht aus dem Auge zu verlieren. „Man telefoniert, oder spielt zusammen Online Spiele. Gemeinsam grillen ist dann auch mal drin, aber dann mit etwas mehr platz zwischen den Stühlen!“

1,5 Meter Abstand oder nicht. Jeder von uns hat auf seine eigene Art und Weise einen weg gefunden mit der Corona-Krise zu leben. Selbstfindung, Gestaltung und Fürsorge sind Begrifflichkeiten die wir neu Entdeckt haben. Jeder für sich allein hat seinen eigenen Ruheort gefunden.

Gloria Van Krimpen

Gloria Van Krimpen – eine Künstlerin im Interview

Samya Alvarez, 05.07.2019

Relativ locker, sehr lebhaft und eher antiauthoritär. Diese Frau hat Wumms und sie weiß genau was sie tut. In ihrer Arbeit mit Kindern macht sie die Welt ein kleines Stückchen besser, Woche für Woche. Ich habe mich mit ihr getroffen.

Wenn sie über ihre Kinder redet, hebt sie leicht die Stimme an. Sie rutscht dann in dieses typische Sprachmuster, welches man benutzt, wenn man kleine Menschen direkt anspricht. Dafür muss nicht mal ein Kind in der Nähe sein. Dann zieht sie ihre Augenbrauen etwas hoch. Die Lachfältchen, die dann um ihre hellblauen Augen stärker werden, verraten wie gern sie über ihre Kinder spricht.

Gloria Van Krimpen ist Künstlerin in der Lichtwarkschule, eine gemeinnützige Initiative zur künstlerischen Förderung von Kindern in den Brennpunkten Hamburgs. „Starke Kinder durch Kunst“ ist ihr Motto.

In Glorias Klassenraum dürfen Kinder malen, gestalten und basteln. Komplett ohne Wertung und Noten. Sie betreut verschiedene „Farbmäuse“-Kurse, gefüllt mit Fünf- bis Sechsjährigen. Es ist ihr wichtig, dass die Schüler nicht bewertet werden, damit die Angst vor`m weißen Blatt Papier gar nicht erst entsteht. Der Schwerpunkt von Glorias Arbeit liegt bei den Materialien. Wie fühlt es sich an mit den Fingern auf Papier zu malen? Wie sieht es mit Kleister aus? Das Gefühl ist anders, wenn man Sand in den Kleister mischt. Die Kinder sollen an Möglichkeiten und Größe gewinnen. Sie sollen ihre Fähigkeiten austesten und herausfinden, was alles machbar ist.

Ich habe mich in einem Café mit Gloria getroffen und  über ihre Arbeit interviewt.

Samya: Du bist eine der festangestellten Künstler bei der Lichtwarkschule. Welche Ausbildung hast du in diesem Bereich absolviert?

Gloria: Ich habe eine Pädagogische Ausbildung hinter mir. Das ist natürlich wichtig. Seit 22 Jahren arbeite ich mit Kindern.

Samya: Wie lange arbeitest du bei der Lichtwarkschule?

Gloria: Zehn Jahre.

Samya: Nicht schlecht!

Gloria: (Sie nickt) Ich bin in Rotterdam aufgewachsen. Sehr multikulti und ich finde das hilft bei meiner Arbeit enorm. Ich hab mit 16 Jahren meine Ausbildung zur Erzieherin gemacht, habe auch zwischenzeitlich in Singapur mit Kindern gearbeitet. Ich habe zusätzlich sieben Jahre eine Kunstschule besucht. Irgendwann ist mein Fokus dann von reiner Pädagogik auf Kunst gedriftet und jetzt bin ich bei der Lichtwark gelandet und leite jetzt den „Farbmäuse“-Kurs.

Samya: Wie sieht so ein Kurs aus?

Gloria: Meine Kinder sind im Vorschulalter, ungefähr fünf bis sechs Jahre alt. Im Rahmen des Vormittages verbringe ich dann einmal die Woche 60 Minuten mit einer Gruppe. Wir teilen die Klasse, in der wir arbeiten, dann in zwei Gruppen, damit wir näher an den Kindern arbeiten können. Das sind ungefähr acht Kinder auf einmal.

Samya: Wer ist wir?

Gloria: Ein freiwilliger Helfer und meine Wenigkeit. Ich habe immer mindestens eine Person, die sich ein Schuljahr verpflichtet und mir unter die Arme greift. Da ist es wichtig, dass dieser Mensch auch das ganze Schuljahr da bleibt, um die Kinder nicht zu irritieren. Die Kinder werden natürlich anhänglich und gewöhnen sich an ihre Lehrer.

Ja, dann steht einmal pro Halbjahr ein Museumsbesuch an und zweimal im Jahr wird die Kunst der Schüler im Stadtteil ausgestellt. Dazu kommt ein Kinderfest im Völkerkundemuseum.

Samya: Ist das dann Unterricht, wie wir ihn aus der Schule kennen? Geht es darum hauptsächlich Wissen zu vermitteln, mit Noten und Tests?

Gloria: Auf gar keinen Fall! Natürlich vermitteln wir Wissen, aber es ist mir extrem wichtig, dass kein Leistungsdruck da ist. Jeder Mensch denkt anders, da ist das Outcome ganz unterschiedlich. Die Entwicklungsstände sind ja auch völlig verschieden. Wir bewerten die Arbeiten nicht. Es gibt ein an die Kinder angelehntes Thema, zum Beispiel Jahreszeiten. Viele wissen gar nicht, dass Blumen aus Samen wachsen. Oder was den Frühling vom Winter unterscheidet.

Was manchmal auch schwierig ist, das denkt man so gar nicht, ist Papier reißen. Wenn wir zum Beispiel etwas kleistern wollen. Die motorischen Fähigkeiten sind durch Fernsehen und Co. nicht ausgebildet genug. Vielleicht mögen die Kinder vom Kopf total weit sein, aber die Basis fehlt um selbst kreativ etwas zu erschaffen. Das üben die dann im Kurs.

Samya: Existiert so etwas wie ein Lehrplan an der Lichtwark?

Gloria: Ein Oberthema. Aber das schätze ich an der Lichtwark so sehr, jeder Künstler hat die Freiheit selbst zu entscheiden, wie er oder sie arbeitet.

Samya: Wie arbeitest du am liebsten?

Gloria: Mein Schwerpunkt liegt bei den Materialien. Privat arbeite ich viel an Collagen und so arbeite ich auch am liebsten mit den Kindern. Wir erschaffen Blumencollagen mit Wachs- und Wasserfarbe, Wolle und Papier-Schnipseln. Das Sinnliche ist mir wichtig. Wie fühlt es sich an mit dem Pinsel über ein Papier zu streichen? Ist die Sensation anders, wenn wir Kleister benutzen? Was passiert, wenn wir den Kleister mit Sand vermischen?

Samya: Für mich bitte durch einen typischen Vormittag.

Gloria:  Also, ich stehe um halb sieben auf und fahre in die Veddler Blase. (Sie lacht). Veddel ist wie ein eigenes Dorf inmitten der Großstadt. Die Infrastruktur ist grausam, es gibt nur einen Penny und lange Zeit gab‘s nicht einmal eine Apotheke. Aber jeder kennt jeden. Und jeder, vom Grundschüler bis zum Abiturienten, geht auf diese Fritz-Schumacher-Schule, beziehungsweise jeder ist mal auf diese riesige Schule gegangen.

Um kurz vor acht bereiten wir dann den Unterricht vor, und um acht gehen wir gemeinsam die erste Gruppe Farbmäuse abholen.

Samya: Der Unterricht findet dann im Klassenraum statt?

Gloria: Nein, das wäre katastrophal. Wir sind in einer Werkstatt und der Raumwechsel ist total gut. Erstens fällt das Meiste des Hinterherputzens weg und zweitens verbinden die Kinder diesen Raum nicht mit dem normalen Schulalltag. Außerdem machen wir auch manchmal eine Sauerei (lacht) und das ist auch wichtig!

Auf jeden Fall sind beim Abholen der Kinder die Rituale ganz wichtig. Da sind ein paar zwischen, die sich so sehr freuen uns zu sehen, dass sie uns stürmisch um den Hals fallen. Am Anfang ist ganz wichtig: Ich sehe dich! Was erzählt werden muss wird erzählt und dann gehen wir gemeinsam hoch zur Werkstatt.

Samya: Eine Sauerei, dass die Kinder sich gegenseitig anmalen, statt das Papier, oder wie sieht das aus?

Gloria: Wasser! Ganz viel Wasser. Spätestens am Ende des Unterrichts. Vor allem die Jungs stehen total auf das Ritual die Tische zu wischen. Ich glaube, weil es dreckig ist. Aber auch während des Unterrichts, wenn wir zeichnen und die Kinder malen, durch das Papier auf den Tisch. Sauerei. Aber meine Schuld, weil ich zu dünnes Papier ausgeteilt habe. Außerdem ist Dreck toll. Es erweitert den Horizont. Wenn wir mit Wasserfarbe malen und das Kind über das Blatt hinaus auf den Tisch malt, zum Beispiel. Auf dem Blatt ist ein Bild, aber wenn wir dieses Blatt hochheben, entsteht etwas völlig Neues. Dann hat das Kind einen Rahmen erschaffen! Ja und Gott, dann wischt man das halt später wieder weg. Ist ja nicht das Ende der Welt.

Samya: Da braucht man aber eine ganz schöne Geduld und Ausdauer für. Ich glaube, die meisten Eltern würden die Krise kriegen, wenn das Kind auf den Tisch kritzelt.

Gloria: Hat auch etwas mit Selbstreflexion zu tun. Ich finde, man muss sich immer fragen: Warum verbiete ich das jetzt? Sind das meine Bedürfnisse? Also das Bedürfnis nach Sauberkeit, oder schadet es wirklich? Es muss doch nicht am Blattrand Schluss sein! Wortwörtlich. Außerdem habe ich keine Kinder (lacht).

Samya: Ja, da kann ich mir vorstellen ist die Geduld etwas größer. Wenn man die Kinder wieder abgeben kann.

Gloria: Ja! (lacht) Aber ich brauche es auch nicht, ich arbeite seit 22 Jahren mit Kindern. Ich habe auch kein Bedürfnis mehr nach Eigenen.

Ich habe im Unterricht meine Prinzipien, aber übertriebene Ordnung hat nun bei Kunst mit Kindern wirklich nichts zu suchen. Die Atmosphäre ist mir wichtig. Es geht um Wertschätzung und Respekt. Mir gegenüber, den Mitschülern und den Materialien. Es gibt klare Regeln und natürlich schimpfe ich auch mal. Kinder sind nicht einfach, vor allem nicht in Brennpunkten. Aber ich appelliere an der Empathie der Kinder und die Nachricht kommt an, es funktioniert. Kein Tag ist gleich und es ist auch anstrengend, aber ich habe immer etwas zu lachen.

Bei mir wird auch keiner gezwungen. Wenn einer partout die Aufgabe nicht machen will, wird das schon einen Grund haben.

Samya: Ist die pädagogische Aufgabe der Lichtwark eher Trauma Bewältigung oder geht es einfach nur um das kreative Entfalten?

Gloria: Kreativarbeit und Beziehungsarbeit. Es geht ja nicht nur ums Malen. Meine Arbeit an der Lichtwarkschule bildet in erster Linie das Selbstvertrauen, das was man selbst macht ist gut und es ist okay. Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, dass sie sich ausprobieren können und dann sollen sie an Größe und Möglichkeiten gewinnen. Ich bin auch kein Fan vom “Vermalen”, weil Kinder gerne einfach nachmachen was ihnen gezeigt wird. Und manche Kinder von denen man nicht so viel erwartet, entwickeln dann am Ende zum Beispiel ein hammermäßiges Farbgefühl. Im Künstlerischen darf man nicht zu viel im Kopf haben, man muss sich auf das Phantasievolle einlassen! Und genau das ist das Geniale an Kindern im Vorschulalter. Das ist eine mystische Zeit. Ich kann von Zwergen reden und Drachen und sie stellen das nicht in Frage. Im Idealfall hat für sie der Ernst des Lebens noch nicht angefangen.

Sollten wir nun allerdings bemerken, dass ein Kind wirkliche Schwierigkeiten zu haben scheint, wird die Schule informiert und es gibt eine Kunst Therapeutin.

Samya: Nochmal wieder zurück zum typischen Tag (wir lachen), ihr habt dann ein Projekt für die Stunde und dann?

Gloria: Also ich mache mit beiden Gruppen das gleiche Projekt, klar, und nach der Begrüßung wird erstmal erklärt, was wir heute machen. Ich arbeite gerne übergreifend mit Bildern, Liedern und Reimen. Ich habe auch keine Hemmungen, den Kindern verschiedene Materialien gleichzeitig vorzustellen und mit einzubeziehen, genauso wie ich selber arbeite. Ich schätze an der Lichtwark die Hochwertigkeit der Materialien. Und dann ist den Kindern auch ganz wichtig wer das Papier verteilen darf! Das ist auch so ein Ritual. Am Ende jeder Stunde gucken wir uns die Kunstwerke an wenn Zeit ist, dann ist 30 Minuten Leerlauf und dann kommt Gruppe Nummer zwei.

Samya: Und dann fängt alles nochmal von vorne an.

Gloria: Genau.

Samya: Du hast gerade deine eigene Arbeit erwählt. Wie arbeitest du denn?

Gloria: Also ich habe mich auf Nichts festgelegt, aber in den letzten Jahren lag mein künstlerischer Schwerpunkt auf Installationen. Dazu zählen räumliche Installationen mit Möbeln oder Collagen, Fotographie und abstrakte Malerei. Ich mache eigentlich alles, wo ich mich ran traue. Ich habe auch mal drei Monate mit einem Huhn zusammengelebt.

Samya: Auch selbst ausgebrütet?

Gloria: Ja! Mein Freund ist Vogelbiologe, außerdem sind wir beide Vegetarier. Also habe ich ein Huhn ausgebrütet, und es übrigens Kükie genannt, und dann ihr und mein Gesicht fotografisch gemorpht.

Samya: Kükie, wie süß.

Gloria: Kükie war ein sehr kuscheliges Huhn.

Samya: Also doch auch politisch, beziehungsweise moralisch.

Gloria: Naja, woran ich Spaß habe ist ein gewisser Humor und eine gewisse Provokation. Aber Provokation ist relativ und am Ende mache ich keine Politik, ich mache Kunst! Ich will nicht belehren. Es geht um den Ausdruck meiner Gedanken und Ideen zu einem bestimmten Thema. Das ist dann eben auch gesellschaftskritisch.

Samya: Ich finde eine gewisse Gesellschaftskritik braucht es auch, um die Gesellschaft voran zu treiben.

Gloria: Ich finde Menschen brauchen einfach einen Weg, um für ihre Bilder und Phantasien ein Ausdrucksmittel zu finden. Natürlich gibt es einige Menschen auf dieser Welt, dessen Phantasien auf gar keinen Fall veröffentlicht werden sollten, aber in diesem Fall reden wir von Kindern. Kinder sind unschuldig, neugierig und probieren alles aus. Sie sind noch nicht so stark in diesem furchtbaren Bewertungssystem drin.

Samya: Es läuft schon so Einiges schief in dieser Welt.

Gloria: Ja, aber es gibt einen Weg, die Welt noch zu retten. Da glaube ich fest dran, ich bin ja kein Pessimist. Den ganzen Schaden, den die Menschen auf dieser Erde angerichtet haben, kann man noch rückgängig machen. Die Kinder werden etwas Positives mitnehmen. Und auch, wenn sie den Unterricht vergessen, werden sie eine positive Entwicklung mitgenommen haben.

Samya: Ist das der Grund, warum du diesen Job machst?

Gloria: Ich halte es für eine sinnvolle Aufgabe. Und ich finde, man sollte sich philosophisch fragen, ob man einen Beruf will oder einen Job. Fragt man sich am Ende des Lebens: Habe ich mich verwirklicht oder von meinem wahren Wesen abgekoppelt? Ich mag Kinder, ich habe Freude an ihrer Kreativität. Ich kann Kunst machen und damit Geld verdienen. Deshalb mache ich es.

Kabarettist Felix Oliver Schepp, der Traum aller Schwiegermütter! Foto: Jenny Hanf

Von Schwiegersöhnen und Klabautermännern

Jenny Hanf, 22.05.2019

Wer zum Teufel ist auf die Idee gekommen, bei diesem nasskalten Wetter vor die Tür zu gehen? Ach, das war ja ich.

 
Zähneklappernd warte ich auf den Bus gen Hamburg City, genauer gesagt Nicolaifleet. Einen schönen Abend mit Freunden verbringen, Speis, Trank und Kultur, die Wahl fiel auf „Das Schiff“ - das einzige seetaugliche Schiffstheater Europas.

Seit 40 Jahren begeistert das schwimmende Theater mit Kabarett und Kleinkunst auf höchstem Niveau. Solo Programm „Hirnklopfen“ des Kabarettisten und Chanson Sängers Felix Oliver Schepp. Hirnklopfen, mein erster abstruser Gedanke: Schlaganfall? Tourette Syndrom? Ich kenne Felix von anderen Kulturabenden, als Moderator hat er ein unglaubliches Talent Menschen zusammen zu bringen und in eine Stimmung zu versetzen, die man erlebt haben muss. Aber einen ganzen Abend? Felix, Typ perfekter Schwiegersohn, passt nicht so recht in meine Vorstellung eines scharfzüngigen Kabarettisten. Zu dritt und frisch gestärkt gehen wir aus einem Restaurant über die Straße zur Nicolaibrücke, die Kulisse ist unauffällig und beeindruckend zugleich. Auf der einen Seite blitzt unsere Elbphilharmonie hinter den Hausfassaden hervor, auf der anderen die Nicolaikirche. Eine Bilderbuchszene, Hamburg bei Nacht, mittendrin das beleuchtete Theaterschiff, ruhig liegend im Fleet. Mehrere Stege verbinden das Schiff mit dem Festland. Von barrierefrei kann keine Rede sein, eher Akrobatik a là Cirque du Soleil.

Unfallfrei angekommen werden wir vom Intendanten, Heiko Schlesselmann, empfangen. Er sitzt in einem Verschlag am Eingang, kaum größer als eine Streichholzschachtel, und kümmert sich um die Eintrittskarten und die zahlreichen Fragen der ankommenden Gäste. Ich muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass dieses Theaterschiff seine Herzensangelegenheit ist. Es ist kuschelig warm, das urige Innenleben des Theaters erinnert an ein Tivoli Anfang der 20er Jahre. Meine Begleiter, Katharina und Oliver, waren noch nie hier und zücken sogleich ihre Smartphones, um Erinnerungsbilder zu machen. Alte Schiffsglocken, antiquarische Blechschilder mit skurrilen Verboten, Fotografien von Unterstützern und Freunden des Theaters zieren jeden freien Fleck vom Unterdeck. Ja, das Unterdeck mit kleinen Bullaugen, aber eben im Bauch des Schiffes. Unauffällig schiele ich gen Notausgang, wissentlich, dass es an diesem Abend mehr als gemütlich werden wird. Ich fühle es regelrecht, es ist wie ein Dreier-Sofa und fünf Familienmitglieder quetschen sich dazu, ist ja so schön…Das Unterdeck füllt sich, nach und nach trudeln die Gäste ein und suchen sich ihren Platz auf den ergonomisch interessanten Stühlen.

Das fröhliche Gemurmel ist ansteckend, Platzmangel fördert definitiv das Miteinander und Zugehörigkeitsgefühl. Ich bin sehr gespannt, denn ich bin kulturell verwöhnt – ich habe im Laufe der Jahre viele Bühnenauftritte verschiedenster Künstler erleben dürfen – auch auf dem Theaterschiff. Das Gemurmel in den Stuhlreihen legt sich langsam, alle Blicke zur Bühne gerichtet – sie ist so groß wie ein Klavier. Und ach, da steht ja auch ein Klavier. Mit Donnerbräu gewappnet genießen wir fast zwei Stunden wortgewaltige, kabarettistische Gratwanderungen zwischen poetischer Alltagscomedy und virtuosen Klavierklängen. Mir schießen die Tränen in die Augen vor lachen, der Felix, der jungenhafte Schwiegersohn, einfach unglaublich. Beim Klabautermann! Er wird doch nicht dieses heikle Thema aufgreifen?

Kann er einfach … ?

Doch, er kann. Und er wird.

Ein Virtuose auf der Bühne. Chapeau! Auf dem Weg nach Hause komme ich nicht umhin festzustellen, dass die gnadenlose Kälte von unten durch die Hosenbeine heraufkrabbelt. Macht aber nichts. Von innen ist mir entsetzlich warm, gefüllt mit Gags und musikalischen Ohrwürmern.

Demütig ziehe ich meine Wollmütze und verneige mich ganz tief vor so viel künstlerischem Talent.

In Hamburg sagt man Tschüss!
Dass heißt “Auf Wiedersehen”,
das klingt vertraut und schön,
und wer einmal in Hamburg war,
kann das gut verstehn`

St. Georg - Das bunteste Stadtteil Hamburgs

St. Georg – Der bunteste Stadtteil Hamburgs

Alexander, 22.05.2018

St. Georg, einer der beliebtesten und buntesten Stadtteile Hamburgs erstreckt sich von der Außenalster bis zur Stadtmitte und hat nicht nur kulturell viel zu bieten!In der kommende Woche möchte wir Euch meine Highlights und die top Hotspots aus St. Georg näherbringen.

Ein kleiner Fakt am Rande: St. Georg war nicht immer so beliebt wie heute, es bekam seinen Namen im 17. Jahrhundert nach dem gleichnamigen Krankenhaus, wo damals die Pestkranken behandelt wurden. Im zweiten Weltkrieg kam es zu einer fast vollständigen Zerstörung des Viertels. In den 60er und 70er Jahren entstand dann das neue St. Georg, wie wir es heute kennen, mit all der Kultur, der Gastro und der Kunst.

Bleibt gespannt und freut euch auf mehr in den nächsten Tagen!

Bild Quelle: www.hamburgs-stadtteile.de

new media asocialism, kampnagel, kolumen-hamburg, Orangensaft und Kölsch

New Media Socialism

#ahh, 16.05.2018

Einwanderer auf die Bühne! Hamburg ist eine vielfältige Stadt. Was mit der Hanse auflebte, hat seit der Bundesrepublik an Fahrt gewonnen. Hamburg braucht neue kulturelle Einflüsse. 

Mit der von vielen Seiten kritisierten Migration werden sie uns auf einem Silbertablett serviert. Wir müssen die Neu-Hamburger nur einfach mal machen und ihre Träume verwirklichen lassen.

Dabei kommt es nicht selten zu realsatirischen Momenten, die nur das Leben selbst oder deutsche Behörden schreiben können. Kampnagel beschreibt die Reality TV-Reihe „Hallo Deutschland – die Einwanderer“ der freien Mediengruppe „New Media Socialism“ folgendermaßen: „In der fiktionalen Doku-Soap werden mediale Klischees zu den Themen Migration, Flucht und Ankommensgesellschaft verdreht und überschrieben.“

Die Besucher werden im Migrantopolitan empfangen, einem Veranstaltungsraum der Kulturstätte, in dem Flüchtlinge zu Kunstschaffenden werden und Publikum finden. Dabei ist der Name vielleicht etwas irreführend, denn das Migrantopolitan erinnert mehr an ein gemütliches Wohnzimmer als an ein großes Theater. Die intime Kulisse ist jedoch gut gewählt für die ambitionierte Reality-TV-Reihe, zeigt sie doch vergleichsweise unprätentiös den Alltag sowie die Hürden mit denen Migranten in Deutschland zu kämpfen haben. Ankommen ist eben leichter gesagt, als getan. Und mitunter durchaus unterhaltend.

Da ist zum Beispiel diesen Mann aus Syrien, der sich voller Stolz einen gebrauchten VW zulegt, nur um festzustellen, dass die Straßenverkehrsordnung hier eine andere ist als in seinem Heimatland. Ein englischsprachiger Fahrlehrer, das wäre die Lösung aller Probleme. Doch einen zu finden – das steht auf einer anderen Seite. Gerade zu rührend findet die eritreische Liebe für Kaffee ihren Platz in der Soap. In einer Zeremonie wird Kaffee frisch im Wohnzimmer geröstet, später als Kaffeesud zubereitet. Nach Stunden kann das Happening „Kaffeetrinken“ dann beginnen.

Kampnagel steht für Kultur und Inklusion, oft auch auf avantgardistischen Wegen. Das Projekt „Hallo Deutschland – die Einwanderer“ fügt sich daher gut ins Konzept. Auch wenn der künstlerische Anspruch der Episoden vielleicht nicht mit anderen Produktionen des Hauses mithalten kann, so gibt die Reality-TV-Reihe doch berührende Einblicke in die Welt von Menschen, die in der Fremde ihr Bestes geben, mitunter scheitern und trotzdem weitermachen. Der Zuschauer bekommt dabei das gesamte Spannungsfeld zwischen Karriere, Beziehungsstress und Deutschkurs präsentiert. Eben den ganz normalen Wahnsinn ohne deutschen Pass.

Bis Mitte Juni 2o18 wird es auf Kampnagel, immer mittwochs eine neue Episode kunstvollendetem Einwandererwahnsinns geben. Der berührt, trainiert die Lachfalten und versüßt den Abend.