Go to the top
Das Orchester "Polish Art Philharmonic" hat im Oktober Deutschland Premiere, Foto: Michal Zieba

Ta-Ta-Ta Taaaa! Premiere in der Laeiszhalle mit Polish Art Philharmonic

Gila Thieleke, 18.09.2018

Ludwig van Beethoven gilt als einer der berühmtesten Komponisten aller Zeiten. Sein Vater sorgte dafür, dass der talentierte Sohn bereits mit sieben Jahren sein erstes öffentliches Konzert gab und sein Leben der Musik bis in die Perfektion widmete und opferte. 

Kaum einer der nicht das Intro “Ta-Ta-Ta Taaaa” der berühmten 5. Sinfonie kennt. Sie hat sich auch als Schicksalssinfonie einen Namen gemacht. Eine Erzählung von Triumph und Niederlage, vom ewigen Kampf mit dem eigenen Leben, von Leid und Erlösung.

Mit Beethovens ergreifender Fünften bringt uns das renommierte Polish Art Philharmonic Orchester am 1. Oktober ein Stückchen Sehnsucht in den großen Saal der Laeiszhalle Hamburg.

Nach dem Erfolg 2017 im Goldenen Saal des Wiener Musikverein präsentiert der Maestro Michael Maciaszczyk in der Konzertreihe “Best of Classic” mit seinem 62-köpfigen Orchester eine absolute Premiere in Hamburg.  Mit Werken von Mieczysław Karłowicz und  “Träume” von Janusz Bielecki würdigt das Ensemble auch Künstler aus der polnischen Heimat.

Dirigent Michael Maciaszczyk zählt zu den großen internationalen Könnern im Bereich der gegenwärtigen Klassik. Er ist weltweit bereits in den wichtigsten  Konzerthäusern aufgetreten: Goldener Saal Musikverein Wien, Carnegie Hall New York, Suntory Hall Tokio, Gewandhaus Leipzig,  Philharmonie Berlin, Teatro della Scala Mailand und die Albert Hall. Für wahrhaften Hochgenuss des Violinkonzertes steht die hochtalentierte polnische Solo-Geigerin Anna Maria Staṡkiewicz. In ihrer Heimat spielt die mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete Künstlerin regelmäßig mit den Symphonie- und Kammerorchestern des Polnischen Rundfunks. Ihr leidenschaftliches Violinspiel begeisterte bereits Gäste unter anderem in den USA, China, Österreich, Brasilien, Bulgarien, Japan, Russland, Rumänien, der Slowakei, Schottland, der Schweiz, Schweden, der Türkei, Italien und auch Deutschland.

Das Orchester spendet vom Verkauf jedes Tickets 2,50 Euro für bedürftige, kranke sowie körperlich oder geistig eingeschränkte Kinder und Jugendliche des Vereins „Kinder helfen Kinder e.V.”.

Karten bekommen Sie auf der Seite der Elbphilharmonie. Lassen Sie sich mitreißen in klangvolle musikalische Sphären.

Schaluppe-ganz-Felix-Meier-8-2

Gegen den Strom mit 5 Knoten

Diana, 25.08.2018

Das Kulturfloß “Schaluppe” ist ein unkommerzielles Projekt des Vereins für Mobile Machenschaften e.V.. Mit fünf mal fünfzehn Meter ist sie kulturelle Plattform, mobiler Freiraum und Begegnungsstätte für Alle

Seit 2017 schwimmt die Schaluppe von Frühjahr bis Herbst mit sozio-kulturellem Programm durch Hamburgs Wasserwege. Durch eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne, Materialspenden und vielen Ehrenamtlichen aus Hamburg und der ganzen Welt, konnte der Bau 2016 abgeschlossen werden. Dieser schwimmenden Freiraum bietet Konzerte, Kino, Parties,Protestaktionen oder Lesungen auf 100 Quadratmetern.

“Das Recht auf Hafen ist uns ein wichtiges Anliegen. Hamburg ist geprägt durch seine Wasserwege. Diese fluide Fläche ist jedoch nicht jedem Menschen zugänglich. Das wollen wir ändern und einen niederschwelligen Zugang zu Hamburgs Wasserflächen ermöglichen.”

Wenn ihr mehr über das Treiben der kulturaktiven Wasserratten und ihrem Gefährt wissen wollt dann schaut doch einfach mal in das Programm oder werdet Teil des Ganzen.

Fotocredit: Felix Meier

Die vier Jugendlichen, die gegen die Regierung vorgehen, Foto: Daniel McFadden

Rezension: The Darkest Minds – Die Überlebenden

Laura Carstens und Anja Ende, 11.08.2018

Grace blickt starr geradeaus. Ein Zittern durchfährt ihren Körper bevor sie verkrampft und den Becher in ihrer Hand zerdrückt. Sie bricht zusammen und stirbt auf dem Boden des Klassenzimmers.

Das ist Rubys erste Begegnung mit dem tötlichen Virus. Ruby Daly ist die Hauptfigur in der am 16. August erscheinenden Verfilmung des ersten Teils der Buchreihe “Die Überlebenden” von Alexandra Bracken. Wir durften ihn vorab für euch ansehen und unser erster Eindruck war durchaus positiv: Wir fühlten uns gut unterhalten.

Mit The Darkest Minds – Die Überlebenden wagt sich Regisseurin Jennifer Yuh Nelson, die mit Kung Fu Panda 2 vor sieben Jahren großen Erfolg feierte, erstmals an einen Realfilm.

Grace hat es nicht überlebt: Das misteriöse Virus IAAN, das 98 Prozent der amerikanischen Kinder auslöscht. Die restlichen zwei Prozent besitzen plötzlich übernatürliche Fähigkeiten. Zu ihnen gehört Hauptprotagonistin Ruby. Die 16-Jährige wird von Amandla Stenberg gespielt, die vielen schon aus “Die Tribute von Panem” als Rue bekannt sein könnte. Um eine Gefährdung für die übrige Menschheit auszuschließen, werden die Kinder in Lager gesteckt und farblich nach ihren Fähigkeiten in grün, blau, gelb, rot und orange sortiert. Wobei Kinder mit den letzteren beiden Farben als besondere Bedrohung angsehen und umgehend eliminiert werden. Und wie könnte es anders sein, ist Ruby natürlich eine von den Orangenen und kann sich nur dank ihrer Gabe vor dem Tod retten. Sie ist in der Lage Gedanken zu lesen und zu manipulieren, was ihr bei der späteren Flucht aus dem Internierungslager hilft. Sie trifft auf Liam (Harris Dickinson), Chubs (Skylan Brooks) und Zu (Miya Cech), die ebenfalls aus anderen Lagern geflohen sind. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu einem sicheren Ort.

Laut eines Interviews mit Den of Geek! hielt sich Regisseurin Nelson nah an die Buchvorlage und hofft damit die Fans glücklich zu machen. Vielleicht schafft sie das. Aber als Zuschauer, die diese Reihe nicht kannten, mussten wir im Nachhinein feststellen: Übernatürliche Fähigkeiten, begabte Kids, die sich gegen die Erwachsenen auflehnen, die Suche nach einem Ort, an dem man akzeptiert wird und frei ist? Es ist wie ein Déjà-vu. Und dieses Gefühl begleitet einen die ganzen 104 Minuten. Die Special Effects sind wirklich gut gelungen. Die Chemie zwischen den Darstellern funktioniert, die schauspielerische Leistung zwischendurch großartig! Doch irgendwie wartet man auf etwas Neues. Es ist eine Mischung aus X-Men, Tribute von Panem, Misfits, Die Bestimmung. Ja, man könnte die Liste so weiterführen…

Nach anfänglicher Sympathie für den Film gibt es beim genaueren Analysieren also doch einige Kritikpunkte. Die Story beginnt ziemlich rasant. Über das Entstehen des Virus IAAN erfahren wir nichts weiter. Die wenigen Eindrücke aus den Lagern lässt den Zuschauer nicht nachvollziehen, was für Qualen die Jugendlichen erleiden mussten. Dadurch findet man nur langsam den Bezug zu den Charakteren. Wie in jedem zweiten Kinofilm ist auch hier von Anfang an ersichtlich, wer sich ineinander verliebt, da wir zügig zur Stelle geführt werden, an der sich Ruby und Liam das erste Mal begegnen.

In einem Punkt setzt der Film ein klares Zeichen: Es gab in der Vergangenheit schon einige Streifen mit weiblichen, starken Hauptrollen, jedoch selten mit einer afroamerikanischen Anführerin, wie die Schauspielerin von Ruby selbst feststellte: “Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Produzenten überhaupt eine dunkelhäutige Hauptdarstellerin in Betracht ziehen würden”, gesteht Amandla in einem jolie-Interview. Und auch wenn wir es als ein positives Zeichen wahrnehmen, ist es eigentlich traurig, so etwas im 21. Jahrhundert nicht schon als normal und selbstverständlich anzusehen. Auch ganz passend: Der Name Amandla stammt von ihren Vorfahren und bedeutet übersetzt “Stärke”. Und die beweist sie als Ruby allemal. Hier hätte man durchaus noch einen Schritt weiter gehen und vom Buch abweichen können. Eine homosexuelle afroamerikanische 16-jährige Anführerin wäre doch wirklich mal ein Statement. Schauspielerin Amandla Stenberg wäre sogar dafür die optimale Wahl, da sie erst kürzlich auf ihrem Instagram-Profil zugab: “Ja, ich bin lesbisch – jetzt ist es schwarz auf weiß”.

Leider geht bei dem ganzen Hokuspokus und den schön anzusehenen Effekten der tiefere Sinn verloren. Wieso kümmert es scheinbar niemanden, was eine Zukunft ohne Kinder eigentlich bedeutet? Als wäre es ein temporäres Problem, das bald wieder vorbei ist. Wir reden hier ja nicht über einen Schnupfen. Ganz naiv und ohne Gegenwehr geben Eltern ihre Kinder in die Obhut der Regierung, die ohne Kontrolle walten kann und nicht hinterfragt wird. Ein Stück weit wird gezeigt, wie mächtig die heutige Jugend sein kann. Das sie offener sind als viele Erwachsene und den Mut haben, ihre Stimme zu nutzen, Systeme zu kritisieren und ihre Meinung zu äußern.

Für den nächsten Teil – sofern es einen gibt – wäre wünschenswert, mehr Nähe zu den Charakteren zu schaffen. Auch wenn wir die Protagonisten fast die komplette Zeit begleitet haben, wissen wir eigentlich nichts in der Tiefe über sie. Ruby wurde direkt am Anfang von ihren Eltern getrennt und weiter? Außer über ihre Fähigkeiten, ihren Willen zu Überleben und einer gewissen Großherzigkeit erfahren wir leider nicht viel mehr.

Positiv fiel uns auch der Soundtrack des britischen Komponisten Bejamin Wallfisch auf. Er war ebenfalls verantwortlich für die Musik in ES (IT), Annabelle 2 oder Bladerunner 2049. Freigegeben ist der Film ab 12 und bietet schon einige actiongeladene Szenen. Ihr solltet eure kleine Schwester also nur mitbringen, wenn sie in Sachen Action schon ein wenig abgehärtet ist. Kleine Sensibelchen sollten lieber in eine andere Vorstellung gehen.

Um das Ganze nun auf den Punkt zu bringen, liegt The Darkest Minds ganz klar im Durchschnitt. Mit einigen guten Passagen, aber auch vielen Aspekten, in denen wir uns mehr erhofft haben. Und vor allem mehr Individualität anstelle eines weiteren Films, der versucht, diverse Genre zu vereinen. Nicht langweilig, gut anzusehen, für Jugendliche sicherlich spannend. Für Erwachsene kein Muss.

Foto: Daniel McFadden

Feierabend am Wasser bei schönem Sonnenuntergang, Foto: Stefan Karstens, Stimmungsfänger

After Work Dance: SunsetLounge Hafencity

Laura Carstens, 01.08.2018

Schonmal von der SunsetLounge an der Elbe gehört? Nicht? Dann aber flott, denn es warten kühle Drinks, heißes Wetter und Sonnenuntergang mit Hafenpanorama auf euch!

Sommer, Sonne, 30 Grad: Was gibt es da Besseres, als seinen Feierabend entspannt an der Elbe ausklingen zu lassen? Coole Open-Air Partys am Wasser bieten nicht nur Malle, Ibiza und Co., sondern auch unsere wunderschöne Hansestadt. Und das nächste Sommer-Event steht vor der Tür. Morgen, am 2. August, könnt ihr wieder von 18 bis 1 Uhr bei der SunsetLounge Hafencity im Langnese Café (Strandkai 1) abdancen und euch mit kühlen Drinks erfrischen.

Bringt auf jeden Fall Zeit mit, denn es ist rappelvoll und jeder möchte bei dem Wetter seinen Durst stillen. Warteschlange mit einplanen. Auch die Jungs und Mädels von HOLY DOGS, Flamm’Hus und Burger Jungs haben ordentlich zu tun, um euch die Bäuche zu füllen. Denn Hunger macht ja bekanntlich schlechte Laune.

Frühes Erscheinen wird belohnt: Zwischen 18 und 19 Uhr gibt es für alle einen Empfangsdrink for free. Und das ist nicht das einzige Angebot: Im Vorverkauf gibt es sogenannte HAPPYMARKEN zu erwerben. Bei einer kleinen HAPPYMARKE für 20 Euro sind 18 Euro für Drinks und Foodtrucks mit drin, bei einer großen Marke für 25 Euro gibt es 30 Euro für die Leckereien.

Wer sich bei diesen Temperaturen nicht vor die Tür traut, hat noch am 16. August die Möglichkeit, bei dem Open-Air Event vorbeizuschauen. Last Chance ist am 13. September. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich lieber vorher online bei Eventim SunsetLounge seine Tickets holen. Die Party ist oft schnell ausverkauft. Einlass ist ab 18 Jahren.

Lasst euch den nächsten Sonnenuntergang nicht entgehen, wer weiß, wie lange es das Wetter noch gut mit uns meint.


Foto: Stefan Karstens, Stimmungsfänger

Regenbogenflagge

Diese Woche wird es wieder bunt

Alexander, 30.07.2018

Diese Woche wird es wieder bunt. Der CSD steht vor der Tür. Aber wofür steht der CSD?

Christopher Street Day, denn genau in dieser Straße in New York, im Sommer von 1969 begannen die ersten Protestbewegungen der Nachkriegsgeneration, inklusive die für eine “Freie Liebe”.

Es gab viele Rückzugsorte für Homosexuelle in den Metropolen der Welt, aber keiner ist so bekannt wie das “Stonewall Inn” in der Christopher Street, New York. Der Standort wo am 28. Juni 1969 der Kampf für Gleichberechtigung begann. Tagelang dauerten die Straßenschlachten zwischen Dragqueens, Transsexuellen, Schwulen, Lesben und der Polizei. “Gay Power! Gay Power!” hallte es in den Straßen von New York. Protestanten forderten mehr Toleranz und Rechte für Homosexuelle und bildeten schnell die ersten Gruppen und Bündnisse wie die “Gay Liberation Front”.

In Deutschland, dauerte es noch bis 1979 bevor sich eine Bewegung einsetzte für die Gleichberechtigung. Die Berliner und Bremer waren Vorreiter und hielten die ersten Demonstrationen. Die Stimmung der ersten Demonstrationen war heiter, aber trotz geringer Anwesenheit haben sie sehr selbstbewusst auf sich aufmerksam gemacht und sich für ihre Rechte und Toleranz in Deutschland eingesetzt.

So feiern wir auch  dieses Jahr wieder die Bewegung, die sich für eine Freie Liebe einsetzten. Wir wollen aber auch nicht vergessen, dass noch ein langer Weg bevorsteht, so das  weltweit eine Gleichberechtigung besteht.

Viel Spaß auf dem Christopher Street Day und Happy Pride!

Pride Week: 28.07 bis 05.08
Pride Parade: 04.08

Weitere Termine in der Übersicht auf der Hamburg Pride Webseite.

Schöner Blick auf Segelboote und Rathaus, Foto: Laura Carstens

Die heißeste Woche des Jahres!

Laura Carstens, 29.07.2018

Da war der ein oder andere regengewohnte Hamburger bestimmt überfordert. 33 Grad und kein Wölkchen am Himmel. Und das gleich für mehrere Tage. Ein Glück, dass die Nähe zum Wasser fast immer eine leichte Brise bereithält.

Und da sagt nochmal jemand, in Hamburg regnet es nur! Besonders diese Woche gab es Sommerfeeling pur. Was macht der dauerbegossene Hamburger denn eigentlich bei diesem Wetter? Ein Blick an die Alster offenbart uns einen Einblick. Einfach in der Sonne brutzeln kommt kaum in Frage.

Es wird gejoggt, gepaddelt, gerudert, ja sogar geschwommen. Die Angst vor einem Kreislaufzusammenbruch ist gleich Null. Wer Lust auf Tretboot fahren hat, der kann das Angebot vom “barca” nutzen. Der sportliche Spaß kostet dort 20 Euro die Stunde. Wer dabei doch lieber nur zugucken möchte, kann sich auf dem großzügigen Steg auf den Sonnenliegen entspannen. Bei solchen Temperaturen kommt man schließlich auch beim Zuschauen schon richtig ins Schwitzen. Also Augen auf und nicht einfach vorbeilaufen! Hier findet ihr bestimmt noch ein Plätzchen.

Auf den Wiesen entlang des Ufers wird Picknickkorb oder Grill ausgepackt. Beliebt sind auch die zahlreichen Gaststätten und Imbisse. In der gutbesuchten Alsterperle, der ‘Gaststätte’ und den anderen Spots rund um die Alster erhaltet ihr kühle Getränke, leichte Snacks und natürlich Eis.

Selbst die Tiere suchen bei dem Wärmeschub eine Abkühlung. Die Wildgänse, Vögel und Schwäne haben sich ihr eigenes schattiges Revier mit Kot und Federn markiert. Hier am Schwanenwik ist Barfusslaufen nicht empfehlenswert. Die Gassirunden fallen an diesen Tagen ebenfalls etwas länger aus. Welcher Hund lässt es sich schon nehmen, einen kleinen Abstecher ins Wasser zu machen!?

Wer bei so hohen Temperaturen droht zu zerfliessen, kann alternativ auch super faulenzen. Dieses Wetter muss einfach genutzt werden, bevor sich die nächste Regenwolke am Himmel breitmacht. So findet jeder seinen Weg, mit den Ausnahmetemperaturen umzugehen.

 

 

Blick in ein Caféhaus für die Ceféreise der Kolumne Hamburg.

Caféreise Hamburg

#ahh, 29.07.2018

So eine Caféreise ist fast wie Urlaub. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, das für diese Reise ein gewaltiger Nachtischmagen vonnöten ist um diesen Tag mit Anstand zu begehen. Sie wird uns durch einen kleinen Teil des westlichen Hamburg führen.

Wir starten unweit des Hamburger Fernsehturms. Jenes Bauwerk, das so viel heimatliche Melancholie bei den Hamburgern hervorruft. Mit etwas Hals-verrenken werden wir auf dieser Reise immer mal wieder die Spitze sehen können. Biegt man also bei der russisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt in die Marktstraße ein, hat man es nicht weit und kehrt gleich links in das Café Panther ein. Dort findet man nicht nur mal andere Zeitungslektüre als üblich, sondern auch ausgefallenere Gerichte. Wie wäre es zum Start mit veganem Rührei oder selbstgebackenem Brot mit Ziegenkäse, Apfel und Rosmarin? Braucht es noch einen Espresso für einen wachen Start in den Tag?

Das lässt sich schon mal gut an. Der erste Appetit ist gestillt – aber es wartet ja noch so viel mehr. Also schlendern wir die Straße ins Herz des Karolinenviertels entlang und haben noch die eine oder andere Möglichkeit uns über konsumtive Alternativen zum Üblichen zu informieren. Wer Lust hat, kann sich sogar noch ein Buch aus der Keimzelle ausleihen. Es geht weiter. Wir überqueren die Trasse des Hamburger Verkehrsmittels. Für einen kurzen Augenblick kommt hier die U-Bahn ans Tageslicht, nur um als bald wieder in der Erde zu verschwinden. Ein Luft-holen. Etwas weiter auf der Passage lassen wir das Knust links liegen, durch das Haus gegangen halten wir auch nicht im Centro Sociale oder der rechts befindlichen Buchhandlung und steuern direkt drauf zu: Hier ist man in guter Gesellschaft. Denn Markenzeichen ist der Wunsch das eigene Angebot ohne Müll darzustellen. Bei einer Ingwer-Zitronen-Limonade oder selbstgemachter veganer Milch können wir darüber philosophieren, wie Mülllos so ein Geschäft wohl möglich ist? Besonders eindrucksvoll wirken die Strohhalme aus Metall – aber das wird ja ohnehin auf uns alle zukommen, seit das EU-Parlament entschieden hat Plastik-Strohhalme zu verbannen. Also sieht man hier in guter Gesellschaft in die Zukunft.

Einige Meter runter Richtung Schlachthof und rechts in die zweite Passage an diesem Tag, Richtung innerem Schanzenviertel, überqueren wir die Kreuzung und schlendern das Schulterblatt entlang. Kaum sind wir im Trubel des Schanzenviertels angekommen, werden wir erstaunt nach rechts in ein Geschäft blicken, das irgendwie noch wie zu Omas Zeiten aussieht. Es könnte das Erscheinungsbild eines früheren Milchladens sein. Nachdem wir schon in die Zukunft geblickt haben, ermöglicht uns Herr Max einen Blick in die Vergangenheit. Spezialisiert sind sie auf Torten. Um nicht über zu strapazieren, empfiehlt Kolumne Hamburg das Auge eher auf die Patisseriekreationen zu werfen, und sich auf keinen Fall von dem zu weilen optisch morbiden Charme irritieren zu lassen. Wenn wir vor Begeisterung nicht mehr weg wollen (die Reise ist ja noch nicht zu Ende), können wir (an einem anderen Tag) sogar an Tortenkursen teilnehmen. Allerdings, ob das dann bei uns auch gleich so imposant aussieht darf bezweifelt werden.

Der Weg führt uns weiter Richtung St. Pauli. Also zurück auf dem Schulterblatt Richtung Millerntor, leicht rechts abgebogen, kurz nachsehen, was als nächsten in die Haut graviert werden muss und etwas weiter mindestens für einen Espresso anhalten. Im Kopiba röstet man noch selbst. Wer will, kann hier schon mal mit einem Pale Ale anfangen und etwas die Süße vom Gaumen schlucken. Denn nach dem wir endgültig wach sind, steht der heute längste Spaziergang auf dem Plan  – auch gerne Verdauungsspaziergang genannt.

Weiter Richtung St. Pauli-Herz. Wir empfehlen Beim Grünen Jäger zu bleiben und den Paulinenplatz im Auge zu behalten. Kleine und große Kinder können hier einige Leibesübungen vollziehen, ehe wir die Annenstraße und schließlich die Detlev-Bremer-Straße entlang spazieren. Haben wir die große Einbahnstraße gefahrlos überquert, winkt auch gleich die Belohnung. Luicella’s. Die haben so ausgefallene Eissorten, dass die Entscheidung schwerfällt. Franzbrötchen, Kokos Maracuja oder doch lieber was mit Goji? Und dann immer diese Frage: „ Möchtest du noch etwas probieren?“ Mmh. Kein Wunder also, dass zu Hoch-Zeiten die Schlange einige Kurven macht. Das kann aber nur die Vorfreude steigern.

Hier endet die Caféreise. Wahlweise geht man beseelt zu Freunden, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen oder macht noch einige Schritte weiter Richtung Hafen und lässt sich von dem Industriecharme beeindrucken.

 

Sierichs Biergarten Hamburg

Der Hamburger Stadtpark und sein Biergarten

#ahh, 26.07.2018

Sierichs Biergarten ist ein beschaulicher Ort. Zur vormittäglichen Brotzeit. In der Regel dann aber eher ein geselliger. In lauschiger Atmosphäre kann man hier sein Bier schlürfen und die Aussicht genießen. Und die ist großartig. Diese Weite…

Beginnt man hier am frühen Abend, in netter Runde mit dem Tagesausklang sieht man noch das wilde Treiben auf der großen Wiese, wo gegrillt und gefeiert wird, die letzten Sportpartien ausgetragen werden und die Jugend ihre Freiheit auslebt. In der Ferne erstrahlt das restaurierte Planetarium in rötlichen Tönen – strahlt hier die Fassade oder sieht man die roten Strahlen der untergehenden Sonne? Die Baumwipfel wiegen im lauen Wind und einige Romantiker in ihren Booten drehen noch einmal eine Runde auf dem Stadtparksee bevor sie an der Liebesinsel anlegen. Ein Blick nach rechts zum Hang offenbart den gediegenen Übergang von Sonnenstrahlen-einfangen zum illustren Abendprogramm und an manch einem Abend wehen hier einige Musikfetzen hinüber und geben Aufschluss über das aktuelle Abendprogramm auf der Stadtparkbühne.

Diese vielfältige grüne Oase hat erst jüngst ihr 100-jähriges gefeiert. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Winterhuder Gehöft der Familie Sierich (und damit ist dann auch klar, woher der Biergarten seinen Namen hat) ein öffentliches Gelände. Zu den 35 ha kamen einige dazu, bis später 150 ha zusammenkamen und damit ein innenstadtnaher Park, der an Land und zu Wasser erreichbar ist. Dieses Hamburger Kleinod bespaßt am Wochenende dann auch gerne mal 200.000 Menschen. Eine echte Inbesitznahme. Seine Planer (F. Sperber, F. Schumacher, O. Linne) hatten gartenbauliche Symmetrie im Kopf. Die sollte aber durch Kunstwerke auf ein neues Niveau gehoben werden. Kunst im öffentlichen Raum? Es sollte ja nicht irgendein Park werden. Zwar besaßen vor Hamburg schon andere Großstädte öffentliche Parkanlagen, trotzdem wurde der Stadtpark für seine städtebauliche Planung viel beachtet und genügte internationalen Maßstäben.

Als wichtiger Teil des Hamburger Naherholungsgebiets und drittgrößter Park der Stadt ist der Stadtpark die grüne Mitte der Stadt. Der Modellbootteich im Osten des Parks steht auf der Stelle, an der ursprünglich die Stadthalle stand. Lange war sie am Wochenende Ausflugziel der Hamburger mit Bootseinfahrt. Im 2. Weltkrieg wurde sie kollateral getroffen und verschwand. Hier musste etwas Neues her.

Wie sieht es mit einem Luxus-Biergarten aus? Müsste klappen. Jetzt haben eben die Barmbeker (und alle anderen auch) einen Ort für ihr tägliches Abendprogramm der Extraklasse. Mit viel Liebe zum Detail kann man sich hier richtig wohl zu fühlen. Hier lässt sich er Tag abschütteln und runterkommen. Oben drauf gibt es dann noch einen Sonnenuntergang und einige berichten, sie wähnten sich für einen kurzen Moment im Urlaub.

Jeremy Winston Chorale, Foto: Wolfgang Scheu/Timido

Jeremy Winston Chorale: Grammy nominierter Chor in Hamburg

Laura Carstens, 26.07.2018

Musikfans aufgepasst: Der Jeremy Winston Chorale aus den USA singt am kommenden Dienstag, 31. Juli 2018 in Hamburg.

23 Solisten sorgen mit ihren Stimmgewalten für Gänsehaut in der St. Gertrud Kirche. Wer diese Power-Truppe noch nicht kennt: Der Chor wurde mehrfach Grammy nominiert und ist Goldmedaillen-Gewinner der Chor Weltmeisterschaften.

Wie jetzt… noch nicht überzeugt?

Bereits letztes Jahr lieferten die Gospel-Sensationen bei ausverkaufter Location ab und wurden mit minutenlangen Standing Ovations und Zugabe-Rufen belohnt. Und das Beste: Die diesjährige Sommer-Tournee bietet zusätzliche Konzerte und Hamburg kann sich zum 3. Mal über den amerikanischen Besuch freuen.

Neben Hamburg wird es sechs weitere Benefiz-Abende unter anderem in Frankfurt, Dresden und Berlin geben. Und auch Michelle und Barack Obama durften bereits Zeuge der sensationellen Klassik- und Gospelmusik sein. Von ‚Ave Maria‘ über ‚Amazing Grace‘ bis ‚Happy Day‘ ist alles dabei.

Die Einzelinterpreten des Jeremy Winston Chor stammen aus den verschiedensten Ecken in Amerika, ebenso wie aus unterschiedlichsten sozialen Schichten und Familienverhältnissen. Auf der Bühne haben sie den Ruf als einer der besten Gospel-Chöre der Welt. 

Die Künstler engagieren sich mit ihrer Sommer-Tournee für die gemeinnützige Organisation Christrose, welche sich für religionsunabhängiges soziales Miteinander einsetzt. Einen Teil ihrer Konzert-Erlöse spenden sie direkt für die ehrenamtliche Arbeit der Kirchengemeinden, wo ihre Konzerte stattfinden.

Damit wird auch die ehrenamtliche Arbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Gertrud unterstützt. Unsere Ticket Verlosung ist nun leider bereits beendet und die Gewinner stehen fest. Aber letzte Karten gibt es noch an der Abendkasse. Infos unter der Hotline:  01806 – 570 070

Wir finden: Musik für’s Herz und gleichzeitig was Gutes tun – was gibt es denn Besseres.

Foto: Wolfgang Scheu/Timido 

Schanzenviertel, Rote Flora, Hamburg, Kulturzentrum

Die Schanze. Endlich erwachsen.

#ahh, 24.07.2018

Seit jeher Schmelztiegel der Kulturen, ist die Schanze erst jüngst erwachsen geworden. Lange Zeit hatte sie etwas Altona viel St. Pauli und eine Priese Eimsbüttel im Blut. Doch endlich ist sie eigenständig oder richtiger: Das Schanzenviertel ist ein eigener Stadtteil.


Das Gebiet war lange Zeit kaum mehr als ein modriges Land, das Dörfer voneinander trennte und sogar gut als Landesgrenze taugte. Wir befinden uns im 17. Jahrhundert. Um den möglichen Eindringlichen, in diesem Fall starke Dänen aus dem großen dänischen Reich, ganz deutlich zu machen, das hier nichts für sie zu holen war, baute man einen Verteidigungswall. Weil der anfänglich provisorische Erdwall (Etymologen mögen sich dem Wort „Reisigbündel“ widmen) Sternförmig gebaut wurde, war schnell von der Sternschanze die Rede; und das sollte auch die folgenden Jahrhunderte so bleiben.

Kaum 200 Jahre später wurde das Moor trocken gelegt und die Wallanlagen eingeebnet. Trotzendem blieb die vereinigende Kraft erhalten. Denn das Schanzenviertel bildete die Verbindung zwischen Hafen und dem benachbarten Eimsbüttel. Täglich passierten hunderte Arbeiter auf der Landstraße die Schanze und nicht wenige blieben hier und da auf ein Getränk und verweilten. Einige erzählen die Geschichte einer Kneipe, die einen Wahlknochen als Aushängeschild verwendete. Sie erzählen weiter, dass die Straße im Volksmund einen Namen bekam. Heute nennen wir sie immer noch – Schulterblatt.

Auf dem Schulterblatt unterwegs streift man unweigerlich das kulturelle Zentrum des Schanzenviertels: die Rote Flora. Sinnbild linker Wollust und Zentrum politisch, linken Kernlandes. Diese weltbekannte Kontroverse ist regelmäßig Schauplatz eines stilisierten Gerangels zwischen Obrigkeit und provoziertem Volk. Zu dieser Zeit ist die Schanze ein kochender, lavaspeiender Vulkan. Austoben oder Ansichten durchsetzen geht anders. Kehrt man später wieder zurück, geht es hier in der Regel emsig zu. Das Leben der Anwohner scheint auf der Straße stattzufinden.

Wie an vielen Flecken Hamburgs befindet sich heute auch hier der Immobilienmarkt in einer Überbewertung. Diese Immobilienblase übt erheblichen Druck auf die Bewohner des Stadtteils aus. Die Gentrifizierung ist im vollen Gang. Dann werden Umsatzineffektive Bauten abgerissen und optimiert  ersetzt. Und so geht auch hier Lebensqualität und über Jahrzehnte entstandene Strukturen verloren – bisher lassen sich viele Bewohner das nicht anmerken und begehen ihre Abende lässig.

Die neueste Geschichtsschreibung des Schanzenviertels ist wieder einmal aus der Bevölkerung entstanden. Wenn Hamburg schon lange in die Schanze fährt, musste es ja irgendwann passieren, dass es nicht mehr nur um ein Gebiet geht, sondern verwaltungsrechtlich korrekt um einen Stadtteil. Endlich groß, endlich frei, endlich die Welt mit offenen Armen empfangen. Flaniert man abends durch die Straßen der Schanze, kommt  ein wenig das Gefühl von gediegener Freiheit auf. Diese losgelöste Weltoffenheit findet ihren Ausdruck in multikulturellen Gruppen. Es entstehen neue Bekanntschaften und neue Blickwinkel in unerwarteten Gesprächen.

Wenn also das Abendrot längst hinter einem Haus verschwunden ist und sich der Tag dem Ende neigt, war das Schanzenviertel wahrscheinlich wieder Schauplatz für Begegnungen, sind sich Menschen näher gekommen. Wie das eben so ist, wenn man als klebriges Bindeglied im Herzen der Hamburger fungiert. Das Schanzenviertel ist wirklich groß geworden.