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Reeperbahn Festival: Eljot Quent mit Hamburger Attiitüde

Eljot-Quent fuer Kolumne Hamburg

von Julia Henchen, 19.10.2015

“Die Leute sagen häufiger mal, dass man genau hört, mit welcher Musik wir in’ Hip-Hop eingestiegen sind.” Gut so, denn die Jungs von Eljot Quent machen ihn auch: diesen Hip-Hop mit Hamburger Attitüde.

Das Fundament ihrer Musik ist Hip-Hop und inhaltlich bewegen sich die vier Jungs dort, wo sie aufgewachsen sind, wo sie leben, was sie bewegt. Eben Hamburg.

Es ist Samstagabend in einem Hinterhof und in wenigen Stunden werden Eljot Quent hier ihr erstes Wohnzimmer-Konzert geben. Eigentlich findet das Konzert in einer Halle statt, denn es ist Reeperbahn Festival 2015. Nach dem Auftritt bei den Jungs und Mädels von Sofar spielen Eljot Quent ihren zweiten Gig an diesem Abend im Terrace Hill. Zeit haben Sie sich trotzdem genommen um mit mir über Hamburg, die Musik und ihr nächstes Projekt zu sprechen.  

Das Fundament steht. Die Einflüsse ihrer Musik sind dabei so vielseitig, wie die Jungs selbst. Privat trifft man Eljot Quent an unterschiedlichen Plätzen. Im Pudel, Knust, Park Fiction. Elektro, Punk, Rock oder Jazz. Und diese Offenheit spiegelt sich nicht nur ihrer Musik wieder.

Len: “Ja, das beeinflusst uns schon. Das macht das Projekt, glaube ich, auch aus.”

Müwie: “Auch inhaltlich. Nicht nur musikalisch, sonder auch von der Denke her.”

Len: “Gerade bei dem Song ‘Bin halt so’ fühlt man eine Punk-Rock Attitüde. Ob das jetzt Punk-Rock ist, oder nicht, so fühlt es sich an. Das Fundament ist immer Hip-Hop, aber es gibt Ausflüge in andere Musik Richtungen.”

Fünf Jahren ist es her. 2010 die Geburtsstunde von Eljot Quent, ihr Live-Debüt in einer, wie könnte es anders sein, Eckkneipe in Hamburg. Und in einer Stadt zu leben bedeutet auch, diese Einflüsse in den Texten zu verarbeiten.

Fogel: “Worüber wir reden sind ja gesellschaftliche Dinge. Ich glaube, das geht jemandem in Köln genauso, wenn er kein Geld hat. Sich über die Zeit zu wundern. Dafür muss man kein Hamburger sein. Aber klar, Kleinigkeiten kommen dann natürlich durch. In deiner Textstelle Len Wir arbeiten für die Miete, doch für Wohnraum ist kein Platz da’. Das ist natürlich hier in Hamburg ein großes Problem.”

Len: “Ich bin hier groß geworden, das ist ja wie Blut irgendwie und die Stadt ist ja jetzt auch nicht ganz verkehrt und hat auch ein paar schöne Wetter Tage im Jahr. Es ist einfach schön, hier zu leben.”

Müwie:” Für mich ist das auch der Humor in Hamburg. Ich glaube, der ist hier ein bisschen anderes als in anderen Städten. Trocken, patzig.”

Vom Sound und von den Einflüssen kommt bei den Jungs nicht nur Hip-Hop auf den Teller.

Fogel: “Im Endeffekt ist es dann natürlich schon Hip-Hop, klar. Aber ich glaube, die ganzen Einflüsse sind dann schon zu spüren. Mal mehr, mal weniger.”

Mike: “Ich denke zum Beispiel gar nicht im Hip-Hop. Ich denke mehr so im Rock und Funk und in Fusion-Krams.”

Fogel: “Ich kann zur Hafentreppe gehen oder ins Ahoi! und kann mir Punk anhören und dann gehe ich um die Ecke und bin im Pudel. Überall ist das so ‘du bist da und das ist cool’. Gemeinsam eine gute Zeit haben – das find ich gut.”

Im Mai 2014 erschien das zweite Album “Batman ist tot”. Neben der CD gab es auch eine limitierte Kassette und die Instrumente wurden weitestgehend selbst eingespielt. Len und Fogel produzierten und mischten selbst. Oft passiert es bei den Jungs, dass der Song fertig ist und dann nochmal nachproduziert wird.

Müwie: “Was ich geil finde: wenn man denkt, man hat schon einen Knaller gemacht und hat das aufgenommen. Dann sagt einer der Jungs, ich hab da nochmal daran gearbeitet und ich bekomme das dann zurück und der Beat ist neu und du denkst nur ‘krass’. Wenn der Song eigentlich fertig ist und sich dann nochmal komplett neu entwickelt.”

“Wir kündigen kein Datum  an, aber das Album wird anders klingen” sind sich Eljot Quent einig. Denn eigentlich ist eine Weiterentwicklung ja das, was ein Album und eine Band letztendlich ausmacht.

Len: “Man baut ja auf den Alben auch auf und hat dann auch viel erzählt und das dritte Album muss dann noch besser sein. Ich finde, dass macht es dann aus, um ein Level weiter zu kommen. Wir haben vor, eine EP zu machen, aber Fogel hat jetzt so viele Beats und ich habe Beats am Start. Das würde jetzt schon für ein Album reichen. Momentan sind wir langsam, was Texte angeht.”

Fogel: “Ist gerade echt viel. Also, dass ich ins Studio gehe und produziere und in viele Richtungen gehe. Auch mal andere Sounds, was wir ja eh schon immer gemacht haben. Nicht dieses klassische 90er bpm Hip-Hop Ding. Ich warte dann eben, schick das rum dann geht das so ‘ Daumen hoch, Daumen runter’ und dann weiß ich, ok, da kann ich weiter machen. Ja, und da fehlt jetzt quasi der nächste Stepp. Also das nächste Projekt ist wieder ein Album. Vielleicht wird das dann auch eine EP.”

Müwie: “Ja, wir lassen uns noch ein bisschen inspirieren.”

Die Jungs arbeiten dann viel vor. Produzieren Beats, schicken diese rum und treffen sich letztendlich im Studio.

Len: “Wir sprechen halt viel über das, was wir machen. Das Schreiben passiert dann erst mal alleine und dann bringen wir das zusammen. Das ist dann schon eine Gruppenarbeit. Klar, jeder ist verantwortlich für das, was er schreibt”.

Und was ist eigentlich das schönste, so als Musiker?

Len: “Die ersten Male dann die neuen Sachen zu spielen. Die neuen Songs zu spielen und zu gucken, wie das ankommt. Und wie sich die Songs dann weiter entwickeln”:

Fogel: “Es gibt viele schöne Momente, aber live spielen ist schon ziemlich toll.”

Zum Abschluss möchte ich von den Jungs ihre Top 5 Plätze in Hamburg hören – der schönsten Stadt der Welt.

Len lacht: “Zuhause? Zuhause ist auf der Eins. Dann das Studio.”

Müwie muss ebenfalls lachen: “Ich hänge ja gerne auf dem Bürgersteig in der Schanze rum.”

Ich muss schmunzeln: Du cornerst?

Müwie: “Ja, das habe ich früher auch immer gesagt, bis die Zeitung dass dann geschrieben hat. Jetzt nenne ich das stromern. Weil wir am Stromkasten unser Getränk abstellen.”

Fogel: “Park Fiction ist für mich auf jeden Fall ein Ort, wo ich gerne bin. Das schließt aber den Hafen für mich dann ein. In meinem Viertel bin ich gerne. Das Münzviertel. Da ist es sehr schön, auch wenn da gerade aktuell viel Polizei unterwegs ist.”

Müwie: “Koze.”

Fogel: “Ja, klar. Koze. Studio ist auf jeden Fall ein Ort, an dem man viel Zeit verbringt. Das ist zum Glück für mich um die Ecke. Das sind die Top drei jetzt.”

Müwie: “Jetzt kommt Mike mit den Top Two.”

Mike: “Ich hab einen Hund. Ich bin gerne im Park.”

Fogel: “Is das schon Poppenbüttel bei dir?”

Mike: “Poppenbüttel ist auch Hamburg, du Pfeife.”

Einer meiner Top 5 an diesem Abend ist definitiv das Terrence Hill, denn die Jungs beweisen, wie man die Meute zum kochen bringt. Danke dafür und bis zur nächsten EP ist es hoffentlich nicht mehr lange.

Das Album “Batman Ist Tot” gibt es hier!

Eljot Quent – Was Ich Fühle

 

Eljot Quent – Batman Ist Tot